Mecklenburg-Vorpommern 12.500 Polizisten sollen Bush schützen

Offene Fenster sind verboten, Gullydeckel verschweißt, mehr als 12.500 Polizisten im Einsatz: Mit einem noch nie da gewesenen Sicherheitsaufwand will Mecklenburg-Vorpommern einen Anschlag auf George W. Bush verhindern. Der US-Präsident wird Kanzlerin Angela Merkel dort besuchen.


Stralsund - Polizei-Einsatzleiter Knut Abramowski wählte heute in Stralsund drastische Worte. "Mit einem Anschlag ist zu rechnen." Immerhin sei Bush die meistgefährdete Person der Welt. Abramowski sprach vom größten Polizeieinsatz in der Geschichte des Landes. "Die Sicherheit ist gewährleistet", betonte aber Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.

Kanalarbeiter verschweißt Gullydeckel in Stralsund: "Mit einem Anschlag ist zu rechnen"
DDP

Kanalarbeiter verschweißt Gullydeckel in Stralsund: "Mit einem Anschlag ist zu rechnen"

Bush wird am Mittwochabend gegen 21.45 Uhr in Rostock-Laage landen und von Ministerpräsident Harald Ringsdorff (SPD) begrüßt. Das eigentliche Besuchsprogramm findet dann am Donnerstag in Stralsund statt, wo Merkel und Bush bei mehreren Treffen die internationalen Streitthemen besprechen wollen.

Der US-Präsident wird auch das Dorf Trinwillershagen besuchen. Dort will Merkel Bush am Abend bei Wildschwein am Spieß mit einigen Bürgern zusammenbringen. Im Ostseebad Heiligendamm wird Bush übernachten. Am Freitag reist er zu einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, bevor er am G8-Gipfel in St. Petersburg teilnimmt.

Für den Besuch werden weite Teile Stralsunds und der anderen Aufenthaltsorte Bushs abgesperrt. Bis morgen Abend müssen sämtliche Autos aus einer Sicherheitszone im Stadtkern entfernt werden, auch aus Höfen und Garagen. Die ganze Innenstadt wird am Donnerstag für den Autoverkehr gesperrt. Die Anwohner der Fahrstrecke Bushs und der Orte, die er besucht, müssen von morgens bis nach seiner Abreise die Fenster schließen. Beim Auftritt Bushs und Merkels auf dem Alten Markt gelten schärfste Kontrollen für die Zuschauer. Die Polizei verschweißte über tausend Gullydeckel aus Sorge vor Anschlägen aus dem Untergrund.

Bushs Hotel in Heiligendamm wird weiträumig gesperrt, um das Gelände wird ein Sicherheitszaun gebaut. Der dreistufige Zaun wird laut Polizei 1300 Meter lang sein. Vor der Küste liegt ein Schiff der US-Marine, das den Besuch mit den deutschen Stellen von der Seeseite schützen soll. Auch zur Luftüberwachung werden zu deutschen Flugzeugen auch amerikanische Kampfflugzeuge eingesetzt. Der Präsident wird sich in eigens eingeflogenen Panzerlimousinen oder im Hubschrauber bewegen. Die Polizei setzt nach eigenen Angaben 12.500 Beamte ein.

Mehrere tausend Demo-Gegner erwartet

Wegen der Sicherheitsanforderungen machte die Stadt Stralsund den Bush-Kritikern für ihre Demonstrationen Auflagen, um die vor den Verwaltungsgerichten gestritten wurde. Ein Bündnis von Bush-Gegnern erwartet mehrere tausend Teilnehmer an zwei Demonstrationszügen am Donnerstag. Die Stadt untersagte ihnen eine Marschroute, die teilweise durch die Altstadt führt.

Nach Angaben des Protestkoordinators Monty Schädel wurde diese Auflage am Dienstag vom Verwaltungsgericht Greifswald in erster Instanz bestätigt. Das Aktionsbündnis, bei dem die Deutsche Friedensgesellschaft federführend ist, werde gegen diese Entscheidung vermutlich die nächste Instanz anrufen. "Sie schränkt unser Demonstrationsrecht zu sehr ein", sagte Schädel.

Die Kundgebung steht unter dem Motto "Not welcome, Mr. President - Kriege beenden, Kriegsplanungen stoppen!" Im Aufruf werfen die Organisatoren Bush vor, er wolle den angreifen. Außerdem fordern sie den "Abzug der Besatzungstruppen aus Irak und Afghanistan", ein Ende der deutschen Unterstützung für den "Kriegskurs der USA" und die Bestrafung der Verantwortlichen für die Folter und Misshandlung von Gefangenen. Zu der Kundgebung ruft neben zahlreichen Protestgruppen auch die "Linke/PDS" auf.

Nach Angaben eines PDS-Sprechers wird der Umweltminister von und Vize-Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling, zum Auftakt der Kundgebung eine Rede halten. Zwei der drei PDS-Landesminister würden an der Kundgebung teilnehmen.

als/dpa/Reuters



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