AfD in Mecklenburg-Vorpommern "Merkel runter von Rügen"

Die AfD bejubelt sich selbst in Mecklenburg-Vorpommern - und nutzt den Wahlabend für neue Attacken gegen Angela Merkel. Parteichefin Frauke Petry will die Kanzlerin von der Insel Rügen "vertreiben".
Frauke Petry

Frauke Petry

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa
Der schnelle Überblick

Das ist passiert:Die SPD gewinnt die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, verliert aber deutlich Prozente.Debakel für die CDU: Sie kommt nur auf den dritten Platz.Die AfD triumphiert und kommt vor der Union auf Platz zwei.Die Linkspartei verliert kräftig, es reicht nur für Platz vier.Die Grünen verpassen den Einzug in das Parlament, ebenso wie FDP und NPD.

Für die erste Fahrt zum Landtag nimmt der neue Oppositionsführer ein Motorboot. Es ist kurz nach 18 Uhr, die ersten Prognosen sind da, und Leif-Erik Holm schippert als großer Gewinner zum Schweriner Schloss.

Der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) hat seine Partei auf mehr als 21 Prozent geführt. Das bedeutet zweitstärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern und vor allem: mehr Stimmen als die CDU.

"Es ist vollbracht", ruft Holm seinen Anhängern auf der AfD-Wahlparty in der Schlossbucht zu. Er spricht von einem stolzen Ergebnis, die AfD sei nun in neun Landtagen vertreten. Besonders lautstark jubeln seine Parteifreunde, als Holm sagt: "Wir haben Angela Merkels CDU hinter uns gelassen. Vielleicht ist diese Wahl der Anfang vom Ende ihrer Kanzlerschaft."

Merkel? Kanzlerschaft? Eigentlich redet Holm da doch über das Ergebnis einer Landtagswahl. 1,3 Millionen Menschen durften am Sonntag abstimmen, rund 60 Prozent haben davon Gebrauch gemacht. Repräsentativ für den Rest der Republik ist die Wahl also nicht gerade.

Dennoch liegt Holm nicht ganz falsch. Denn die AfD hat die Landtagswahl zu einer Abstimmung über Merkels Flüchtlingspolitik gemacht. Und mit dieser Taktik gewonnen (verfolgen Sie die Ereignisse des Abends im Newsblog).


Alle Ergebnisse des Wahlabends im Überblick:


Versteinerte Gesichter bei der CDU

Zwar ist das Ergebnis der SPD besser, als die Umfragen es erwarten ließen. Erwin Sellerings Sozialdemokraten landen wohl bei mehr als 30 Prozent und können weiterregieren. Doch auch die SPD hat verloren, mehr als fünf Prozentpunkte fehlen im Vergleich mit 2011.

Ein Debakel aber ist die Wahl für die CDU. Die Christdemokraten rutschen unter 20 Prozent, es ist das historisch schlechteste Ergebnis der Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Als das Ausmaß der Niederlage am frühen Abend bekannt wird, herrscht Grabesstimmung auf der CDU-Wahlparty. Die Gesichter sind versteinert - obwohl die Union voraussichtlich mit der SPD weiterregieren kann.

"Eine krachende Niederlage für die Kanzlerin"

Wie die AfD sieht CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier den Grund für seine Niederlage in Berlin. Es habe nur ein Thema im Wahlkampf gegeben, sagt der Innenminister: die Flüchtlingspolitik. Merkels Namen nennt Caffier nicht. Aber es ist klar, dass er sie meint.

Deutlicher wird Alexander Gauland. Er war 40 Jahre Mitglied der CDU und leitete von 1987 bis 1991 die Staatskanzlei in Hessen. Mittlerweile ist Gauland Vizechef der AfD und hat sich als einer der schärfsten Kritiker von Merkel profiliert. "Das Ergebnis ist eine krachende Niederlage für die Kanzlerin", sagt der 75-Jährige, "und das in ihrem Bundesland."

Was Gauland meint: Merkel lebt in Mecklenburg-Vorpommern, sie hat hier ihren Bundestagswahlkreis. In den vergangenen Wochen reiste die CDU-Chefin mehrfach zur Unterstützung ihrer Parteikollegen aus Berlin an. Auch deshalb ist es eben nicht irgendeine Landtagswahl.

Petry will Merkel von Rügen "vertreiben"

Die Symbolkraft greift auch Frauke Petry auf. Wie fast die gesamte AfD-Prominenz ist die Parteichefin nach Schwerin gekommen. Auf der Wahlparty, auf der ungefähr so viele Journalisten herumlaufen wie Parteimitglieder, greift Petry die Kanzlerin direkt an. Sie sei gespannt, ob man sie im Laufe des Abends noch "von Rügen vertreiben" könne. Damit spielt Petry auf die AfD-Direktkandidaten in der Gegend an. Die Kanzlerin hat rund um die Urlaubsinsel ihren Wahlkreis, in der Region holte die AfD deutlich über 20 Prozent.

"Wir haben das Ende der CDU eingeleitet", fährt Petry lächelnd fort. Später witzelt sie: "Vier Wörter genügen: Merkel runter von Rügen."

Fotostrecke

Wahlabend in Mecklenburg-Vorpommern: Jubel, Triumph, Enttäuschung

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

Auch die Berliner AfD-Spitze ist extra angereist. In zwei Wochen wird dort das Abgeordnetenhaus gewählt, die AfD liegt in den aktuellen Umfragen zwischen zehn und 15 Prozent.

Nach den ersten Hochrechnungen in Mecklenburg-Vorpommern kann der Berliner Spitzenkandidat Georg Pazderski "historisches Ergebnis" gar nicht oft genug sagen, seine Mitstreiter nicken eifrig. Sie hoffen auf Mitnahmeeffekte: "15 Prozent und mehr sind nun für im sehr linken Berlin ein realistisches Ziel", sagt Landesschatzmeister Frank-Christian Hansel.

Bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr sollen es sogar noch ein paar Prozentpunkte mehr sein, hoffen die AfD-Mitglieder in der Schweriner Schlossbucht. Sie sind überzeugt, dass der Protest gegen Merkel nicht nachlassen wird.


Im Video: "21 Prozent einzufahren ist grandios!"

SPIEGEL ONLINE

Im Video: Blitzanalyse zu den Wahlergebnissen

SPIEGEL ONLINE


Essay über Mecklenburg-Vorpommern

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.