Mecklenburg-Vorpommern NPD-Fraktionschef droht die Räumung

Der mecklenburg-vorpommerische NPD-Fraktionschef Udo Pastörs hat Ärger mit den Behörden: Sein prächtiges Anwesen im Elbtal durfte er nur errichten, weil er vorgab, eine Baumschule zu betreiben. Doch von der angekündigten Buchsbaumzucht ist nichts zu sehen. Jetzt droht die Räumung.

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Hamburg - Am 31. Mai 2000 tippte Marianne Pastörs auf der Schreibmaschine einen Brief an den Landkreis Ludwigslust, Fachdienst 63, Bauordnung: Auf drei Seiten legte die Frau des heutigen Fraktionschefs der rechtsextremen NPD im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, dar, warum die Behörden ihrer Familie eine Ausnahmegenehmigung für die Bebauung der Gemarkung Dorfstraße, im kleinen Fleckchen Benz-Briest, Ortsteil des Städtchens Lübtheen im Kreis Ludwigslust, erteilen sollten. Einen Baumschulbetrieb wolle die Familie auf den 26 Hektar Land errichten, mit einem großen Wohngebäude in der Mitte, umrahmt von zwei Scheunen samt Toilette und Aufenthaltsraum für "deutsche Saisonarbeiter".

Udo Pastörs: Ende eines Lebenstraums?
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Udo Pastörs: Ende eines Lebenstraums?

Nur auf Grundlage der landwirtschaftlichen Nutzung erteilte der Landrat im Oktober des gleichen Jahres die Baugenehmigung für das Grundstück im Naturpark Mecklenburger Elbetalaue. Doch auch mehr als sechs Jahre später wachsen hier nur einige wenige der angekündigten 10.000 Mutterpflanzen des Buxus sempervirens arborescens und Buxus sempervirens Rotundifolia. Einzig das große Wohnhaus aus rotem Backstein erhebt sich am Ende der 60 Meter langen Auffahrt protzig inmitten der parkähnlichen Landschaft mit deutschen Eichen und großem Teich. Von einem Gartenbaubetrieb keine Spur.

Das ist auch den Behörden nicht verborgen geblieben. Anfang des Monats hat das Bauamt die NPD-Familie nun ultimativ aufgefordert, die "nicht genehmigungskonforme Nutzung" des Areals zu unterlassen. Der Familie sei ein entsprechender Bescheid zugegangen, bestätigte die Bauaufsicht heute einen Bericht der "Ostsee-Zeitung". Bis Anfang Januar haben die Pastörs nun Zeit, Widerspruch einzulegen. Mit anderen Worten: Entweder die Pastörs beginnen unverzüglich mit der Buchsbaumzucht oder sie müssen raus aus dem fürstlichen Wohnhaus.

Dann wäre wohl auch ein brauner Lebenstraum des Politikers in Gefahr: Denn angeblich wollte Pastörs um sein Haus mit Gleichgesinnten eine Art deutsche Siedlung aufbauen. In Benz-Briest, dem einstigen nationalsozialistischen Musterdorf, glaubte er, den richtigen Ort für sein Projekt gefunden zu haben - hier, wo unter dem Giebel eines Hauses noch ein verblasstes Hakenkreuz zu sehen ist, und unter einem anderen die Wolfsangel, Symbol des Deutschen Jungvolks, der späteren Hitlerjugend.

Die Gegend im Dreiländereck von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hamburg gilt seit längerem als Hochburg der NPD. Überall in der Gegend haben sich Rechtsextremisten niedergelassen, günstige Grundstücke und Gutshäuser gekauft. Bei der Landtagswahl im September holte Pastörs' NPD in Lübtheen 16,2 Prozent.

Im Stadtkern besitzt seine Frau noch eine weitere Immobilie. Bevor die NPD im Erdgeschoss des Gebäudes jüngst ihr erstes von sechs geplanten Bürgerbüros des Landes eröffnete, betrieb der Uhrmachermeister hier ein Juweliergeschäft. Über dem Büro befinden sich auch zwei Wohnungen, eine davon steht leer. Obdachlos werden die Pastörs also nicht, sollten sie ihr Anwesen in Benz-Briest tatsächlich räumen müssen.



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