Mecklenburg-Vorpommern Proteste gegen Rechts geplant

Anläßlich des 13. Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß hat es in Deutschland zahlreiche Aktionen von Rechtsextremisten gegeben. Schwerpunkt war Ostdeutschland. Doch gegen die braune Propaganda regt sich Widerstand.


Hamburg - Der Verein für Demokratie und Toleranz hat angesichts des massiven Auftretens von Rechtsextremisten in mehreren Orten Mecklenburg-Vorpommerns für Donnerstagabend zu Aktionen gegen Rechts aufgerufen. Der Schweriner Landtagspräsident Hinrich Kuessner forderte die Bevölkerung auf, sich an diesen Veranstaltungen zu beteiligen und im ganzen Land konsequent gegen Gewalt und extremistische politische Tendenzen aufzutreten.

DPA
Politik und Behörden zeigten sich über die braunen Aktionen zum 13. Todestag von Heß besorgt. In Rostock-Warnemünde marschierten nach Polizeiangaben am Mittwochabend rund 60 Neonazis in einem Fackelmarsch auf und riefen unter anderem die Parole "Rudolf Heß unser Führer". 42 der Beteiligten seien namentlich von der Polizei festgestellt worden. In Stralsund, Rostock und Sanitz sind seit Wochenbeginn insgesamt zwölf Personen wegen Aktionen mit verfassungswidrigen Plakaten und Propagandaschriften vorübergehend festgenommen worden.

In Gotha wurden nach Polizeiangaben vom Donnerstag vier 20- bis 25-Jährige vorläufig festgenommen, die am Mittwochabend Flugblätter mit einem Heß-Bild verteilt und an einem Eisenbahnviadukt in der Innenstadt zwei Bettlaken mit der Aufschrift "Rudolf Heß - es war Mord" angebracht hatten.

In Rudolstadt laufen Ermittlungsverfahren gegen vier Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Sie hatten am Mittwochabend 80 Aufkleber verteilt und ein Transparent mit SS-Runen aufgehängt. In Langenhagen bei Hannover entdeckte die Polizei bei einer Verkehrskontrolle 31 Plakate mit Bezug auf Heß. Die vier Insassen des Wagens sind nach Polizeiangaben als Angehörige der rechten Szene bekannt. In Dresden entfernte die Polizei zwei Transparente mit neonazistischer Aufschrift.

In Gera klebte am Mittwochabend ein 15-Jähriger in Begleitung eines Zwölfjährigen Aufkleber der Jungen Nationaldemokraten Gera. Unbekannte Täter brachten in der Nacht zum Donnerstag in Altenburg insgesamt 70 Aufkleber an, die an den Todestag von Heß erinnern. In Hessen wurde nach Angaben des Innenministeriums ein Heß-Plakat an einer Brücke der Autobahn 661 angebracht. Auch in Usingen sei Material dieser Art aufgetaucht.

Viele Rechtsradikale zweifeln den Selbstmord des zu lebenslanger Haft Verurteilten an. Heß hat sich 1987 im Alliierten-Gefängnis von Berlin-Spandau erhängt.



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