SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

05. September 2016, 00:59 Uhr

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

SPD gewinnt - AfD vor CDU - Grüne, FDP und NPD draußen

Mit 30,6 Prozent hat die SPD die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Die AfD zieht mit 20,8 Prozent als zweitstärkste Kraft ins Landesparlament. Grüne, FDP und NPD scheitern an der Fünfprozenthürde.

Die SPD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern trotz schwerer Verluste klar gewonnen. Nach Auszählung aller Stimmen erzielte sie 30,6 Prozent. Die neu angetretene AfD zieht mit 20,8 Prozent auf Anhieb als zweitstärkste Kraft ins Landesparlament. Die Rechtspopulisten profitierten ein Jahr nach der Öffnung der Grenzen vom Unmut der Bürger über die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hat im Nordosten ihren Wahlkreis.

Für die CDU ist das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern eine herbe Niederlage: Sie landete laut vorläufigem amtlichem Endergebnis mit 19 Prozent hinter der AfD nur auf Platz drei. Auch für die Grünen war es ein bitterer Abend: Ihr Wahlergebnis halbierte sich fast, die Partei liegt nur noch bei 4,8 Prozent - und scheitert damit an der Fünfprozenthürde.

Die FDP verfehlte mit drei Prozent die Rückkehr ins Schweriner Parlament. Die rechtsextreme NPD kam ebenfalls auf drei Prozent und gehört dem Landtag damit nicht mehr an. Die Linke fiel auf 13,2 Prozent: Sie fuhr das schlechteste Ergebnis in Ostdeutschland seit 25 Jahren ein.

Gut 1,3 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen. Um die 71 Sitze im Schweriner Parlament bewarben sich 17 Parteien und sieben Einzelkandidaten. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,6 Prozent.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) kann nun weiterregieren. Er ließ zunächst offen, mit welchem Partner er in den kommenden fünf Jahren zusammenarbeiten will. Die stabilste Mehrheit hätte eine erneute Koalition mit der CDU wie in den vergangenen zehn Jahren. Möglich wäre aber auch eine Regierung mit der Linken. Rot-Rot gab es in Schwerin bereits von 1998 bis 2006.

Eine Zusammenarbeit mit der AfD hatten alle Parteien im Vorfeld bereits ausgeschlossen. Nach dem guten Abschneiden in Mecklenburg-Vorpommern sitzt die Partei nun in 9 der 16 Landesparlamente. "Vielleicht ist das heute der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels", sagte AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm.

Bei der Landtagswahl holte die AfD drei Direktmandate: Den höchsten Stimmenanteil erreichte dabei im Wahlkreis Wolgast/Usedom der Greifswalder Rechtsprofessor Ralph Weber mit 35,3 Prozent der Stimmen - klar vor dem CDU-Kandidaten mit 19 Prozent. Im Wahlkreis Vorpommern-Greifswald I ging das Direktmandat mit 31,6 Prozent an den AfD-Landesprecher Matthias Manthei vor der CDU mit 23 Prozent. Im südlichen Vorpommern setzte sich Jürgen Strohschein mit 28,6 Prozent gegen die zweitplatzierte CDU (26,2) durch.

OB-Wahl in Schwerin: Stichwahl nötig

Parallel zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern fand in der Landeshauptstadt Schwerin auch die Oberbürgermeisterwahl statt. Dabei hat keiner der neun Kandidaten die absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht. Deshalb kommt es in zwei Wochen zur Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten: Amtsinhaberin Angelika Gramkow von den Linken (31,6 Prozent) und Stadtvertreter Rico Badenschier von der SPD (18,9). Knapp dahinter landete die CDU-Kandidatin Simone Borchardt auf Platz drei (18,2).

In zwei Wochen wird in Berlin ein neues Landesparlament gewählt (hier können Sie im Wahl-O-Mat testen, welche Partei Ihnen am nächsten steht). Bis zur Bundestagswahl im September 2017 gibt es mit den Wahlen im Saarland (26. März), in Schleswig-Holstein (7. Mai) und in Nordrhein-Westfalen (14. Mai) noch drei weitere politische Stimmungstests.

aar/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung