Medien Schröder bleibt hart - keine Interviews mehr mit der "Bild"

Regierungssprecher Bela Anda und die Vertreter der Bundespresskonferenz haben ihren Streit nicht beilegen können. Kanzler Schröder will der "Bild"-Zeitung auch weiterhin keine Interviews mehr geben. Die Bundespressekonferenz und mehrere Chefredakteure hatten diese Ankündigung des Kanzlers scharf kritisiert.


Bela Anda (li.) und Gerhard Schröder: Durch den Kakao gezogen
MARCO-URBAN.DE

Bela Anda (li.) und Gerhard Schröder: Durch den Kakao gezogen

Berlin - Der Kanzler bleibe bei seiner Haltung, betonte Regierungssprecher Bela Anda in einem Gespräch mit dem Vorstand der Bundespresekonferenz (BPK) in Berlin. Dies teilte die Vertretung der rund 900 Journalisten am Regierungssitz am Dienstagabend mit.

Der Vorstand der BPK habe gegen diese Haltung energisch protestiert und darauf hingewiesen, dass eine Auswahl nach der Art der Berichterstattung sowohl Auswirkungen für die habe, die ausgeschlossen werden als auch für die, die berücksichtigt werden. Die Journalistenvertretung hatte sich auf Initiative von sechs Medien mit Anda getroffen. Die einstündige Unterredung habe in einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre stattgefunden, hieß es von der BPK.

Die BPK hatte die Bundesregierung auch aufgefordert, für die Zulassung und Berichterstattung auf Auslandsreisen des Kanzlers "so faire Bedingungen wie möglich" zu schaffen. Sie begrüßte Andas Zusage, dass kein Medium von Mitreisen von vornherein ausgeschlossen werde. In diesem Punkt solle es weitere Gespräche geben.

Die Chefredaktionen von "Bild" und "Stern", "Tagesspiegel", "Financial Times Deutschland", "tageszeitung" und "Berliner Zeitung" hatten einen Protestbrief an Anda geschrieben. Darin hatten sie ihm am Freitag vorgeworfen, Korrespondenten von "Bild" und "Stern" den Mitflug bei den Reisen von Schröder in die USA und in die Türkei verweigert zu haben. Der BPK-Vorstand hatte Anda daraufhin aufgefordert, zu der bewährten Praxis des freien Zugangs zu allen Informationsmöglichkeiten zurückzukehren. Die Jahresversammlung der Bundespressekonferenz billigte das Vorgehen ihres Vorstandes am Montagabend ausdrücklich.

Anda hatte die Absage Schröders an künftige "Bild"-Interviews schon am Montag damit begründet, dies geschehe getreu dem Sprichwort, wonach man den Kakao, durch den man gezogen wird, nicht auch noch trinken müsse. Am Einladungsverfahren für Kanzlerreisen sei nichts geändert worden und solle auch nichts geändert werden. Es müsse bei den Einladungen eine Ausgewogenheit geben. Vom Sommer 1999 bis zum Januar 2004 seien Vertreter der "Bild"-Zeitung bei mindestens 25 Kanzlerreisen an Bord gewesen. Kein anderes Medium sei öfter mitgenommen worden.



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