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15. November 2001, 15:32 Uhr

Medienunternehmer Kirch

"Keine Barspende an Kohl"

Hat er gespendet oder nicht? Bei seiner Vernehmung im Spenden-Untersuchungsausschuss bestritt Medienunternehmer Leo Kirch zumindest finanzielle Zuwendungen an Alt-Bundeskanzler Kohl.

Leo Kirch: Spenden an den Geldsammler Kohl?
DPA

Leo Kirch: Spenden an den Geldsammler Kohl?

Berlin - Er zähle nicht zu den anonymen Geldgebern, die Kohl zwischen 1993 und 1998 mehr als zwei Millionen Mark übergeben haben sollen, erklärte Kirch am Donnerstag. Vor dem Spenden-Untersuchungsausschuss zur CDU-Finanzaffäre des Bundestag sagte der 75-Jährige: "Ich habe Herrn Dr. Kohl keine Barspenden gegeben."

Aussagen des früheren CDU-Wirtschaftsprüfers Horst Weyrauch hatten zuvor einen Verdacht auf Kirch gelenkt. Weyrauch soll in zwei Zeugenaussagen berichtet haben, dass der ehemalige Hauptabteilungsleiter in der CDU-Zentrale, Hans Terlinden, ihm gegenüber angedeutet habe, ein Teil des Geldes der anonymen Spender stamme von Kirch. Es soll sich um 900.000 Mark gehandelt haben, die nicht im CDU-Rechenschaftsbericht aufgetaucht sind. Er könne nichts für solche Verdächtigungen, sagte Kirch.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Medienunternehmer den Vorwurf finanzieller Unterstützung für Kohl zurückgewiesen, die CDU ebenfalls. Terlinden hatte ebenfalls erläutert, er könne sich nicht erinnern, gegenüber Weyrauch etwas von Kirchs Spenden gesagt zu haben. Weyrauch konnte am Donnerstag dazu nicht verhört werden, da er erkrankt ist.

Die rot-grüne Mehrheit im Ausschuss beschloss unterdessen, Kohl am 13. Dezember auf seine Aussagen vor dem Ausschuss zu vereidigen. Kohl hatte im Zuge der Spendenaffäre eingeräumt, in den neunziger Jahren rund zwei Millionen Mark von anonymen Spendern erhalten zu haben. Bis heute weigert er sich unter Berufung auf ein Ehrenwort beharrlich, die Spender zu benennen. Der Untersuchungsausschuss wird seine Beweisaufnahme Mitte Dezember abschließen.

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