Megatransport Dichter Atomreiseverkehr in Deutschland

Der Transport von drei Atommüllbehältern aus dem Kraftwerk Neckarwestheim machte den Anfang. Heute hat der bislang größte Transport von abgebrannten Brennelementen aus Deutschland ins Ausland begonnen.


Neckarwestheim - Größere Störungen gab es zunächst nicht. Rund 35 Demonstranten versammelten sich in der Nacht von Montag auf Dienstag kurzzeitig auf der Transportstrecke und entrollten Plakate, teilte die Polizei mit. Am frühen Morgen erreichten alle drei mit Atommüll beladenen Lkw auf dem Weg in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield ihre erste Zwischenstation in Walheim bei Ludwigsburg. In der Nacht zum Mittwoch sollten zwei Transporte aus Stade (Niedersachsen) und Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) durch Hamburg in Richtung Frankreich rollen.

Die Schwertransporter verlassen Neckarwestheim
DPA

Die Schwertransporter verlassen Neckarwestheim

Die Atommüllbehälter vom Typ Excellox aus Neckarwestheim werden vermutlich erst am Mittwoch mit der Bahn weiter nach Sellafield fahren. Insgesamt waren rund 700 Polizisten im Einsatz. Der vorangegangene Atommülltransport im Frühjahr wurde noch von fast 2500 Polizisten begleitet.

Die Landratsämter in Heilbronn und Ludwigsburg hatten ein Versammlungsverbot erteilt. Bis zum kommenden Freitagabend sind damit alle nicht angemeldeten öffentlichen Versammlungen im Freien verboten. Das Verbot bezieht sich auf einen Streifen 50 Meter rechts und links der Transportstrecke. "Wir rechnen aber mit keinen größeren Störungen mehr", sagte ein Polizeisprecher.

In Schleswig-Holstein und Hamburg haben sich Bundesgrenzschutz und Polizei am Dienstagnachmittag auf bevorstehende Atomtransporte vorbereitet. In der Hansestadt wollten Atomkraftgegner am Dienstagabend gegen den Transport demonstrieren. Zu möglichen weiteren Protestaktionen entlang der Transportstrecke meinte ein BGS- Sprecher am Dienstagnachmittag lediglich: "Unsere Voraufklärung ist noch nicht abgeschlossen". Wie viele Beamte den Transport auf seinem Weg durch Norddeutschland sichern werden, ist noch unklar.

Auf dem Güterbahnhof Maschen südlich von Hamburg sollten die Transporte aus Brunsbüttel und Stade gekoppelt werden. Von dort geht es voraussichtlich am frühen Mittwochmorgen weiter nach Süddeutschland, wo ein Zug mit Atommüllbehältern aus den Kraftwerken Mülheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz) und Philippsburg (Baden-Württemberg) dazustößt. Die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erwartet den Transport mit insgesamt 100 abgebrannten Brennelemente am Donnerstag.

Kernkraftgegner sprechen vom größten Atomtransport in der Geschichte der Bundesrepublik. Die umweltpolitische Sprecherin der PDS-Bundestagsfraktion, Eva Bulling-Schröter, sagte, dieser "Castor-Lindwurm" sei eine "zynische Konsequenz aus dem verhinderten Atomausstieg". Das Strahlenrisiko für die beteiligten Beamten werde sich bei der Menge der transportierten Brennelemente genauso erhöhen wie die Gefahr für die Bevölkerung.



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