ARD-Deutschlandtrend Mehrheit der CSU-Anhänger befürwortet Homo-Ehe

Offiziell hat die Union die Debatte über die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften beendet, zu verhärtet sind die Fronten bei CDU und CSU. Dabei spricht sich laut einer aktuellen Umfrage eine breite Mehrheit der Parteianhänger für die Gleichbehandlung schwuler und lesbischer Paare aus

Homosexuelles Paar: In allen rechtlichen und steuerlichen Fragen genauso behandeln
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Homosexuelles Paar: In allen rechtlichen und steuerlichen Fragen genauso behandeln


Hamburg/Köln - Für Parteichef Horst Seehofer ist klar: Eine umfassende Gleichstellung von Homo-Ehen wird es so bald nicht mit seiner CSU geben. Doch mit dieser Meinung ist er selbst unter Anhängern seiner Partei in der Minderheit. Nach einer Erhebung für den neuen ARD-Deutschlandtrend sprechen sich 52 Prozent der befragten CSU-Sympathisanten für eine Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe zwischen Frau und Mann aus. 40 Prozent sind dagegen.

Bei den CDU-Anhängern sieht es ähnlich aus: 55 Prozent sind dafür, 41 Prozent dagegen. In der Union wird derzeit heftig über das Thema Homo-Ehe gestritten. Vertreter des konservativen Flügels und der CSU lehnen es strikt ab, zum Beispiel das steuerliche Ehegattensplitting auf homosexuelle Lebenspartnerschaften auszuweiten. Offiziell hat CDU-Parteispitze das Thema nun vorerst vertagt.

Zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) sind der Ansicht, dass dies der falsche Weg ist. Gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartnerschaften sollten ihrer Meinung nach in allen rechtlichen und steuerlichen Fragen genauso behandelt werden wie die Ehe zwischen Mann und Frau. 30 Prozent finden hingegen, es sollte weiterhin unterschiedliche Rechte geben. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar die Rechte homosexueller Paare gestärkt. Infratest dimap befragte im Auftrag der ARD von Montag bis Mittwoch 1003 Wahlberechtigte.

Deutsche für Begrenzung der Manager-Gehälter

Neun von zehn Befragten sprechen sich zudem für ein Anti-Gier-Gesetz aus, wie es die Bürger in der Schweiz beschlossen haben. 89 Prozent finden, eine solche Begrenzung der Manager-Gehälter sei auch in Deutschland nötig. Nur acht Prozent sind anderer Meinung.

Bei der Frage, wie Niedriglöhne verhindert werden können, plädiert eine Mehrheit der Deutschen von 55 Prozent für eine gesetzliche Lohnuntergrenze, die für alle Arbeitnehmer gilt. 40 Prozent halten es hingegen für besser, wenn in jeder Branche eine jeweilige Untergrenze von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt wird, so wie es die Union vorschlägt.

Grüne erreichen höchsten Wert seit 2011

In der sogenannten Sonntagsfrage gewinnen die Grünen zwei Punkte, damit stehen sie jetzt bei 17 Prozent. Dies ist der beste Wert für die Grünen seit Oktober 2011. Die Union verliert gegenüber der Vorwoche einen Punkt, sie erreicht 40 Prozent. Die SPD fällt ebenfalls um einen Punkt auf 26 Prozent. Die FDP kommt wie in der Vorwoche vier Prozent. Die Linke gewinnt einen Punkt hinzu und steht bei sieben Prozent.

Die Piraten, die vor allem mit Dauerzoff Schlagzeilen machen, verlieren einen Punkt, sie kommen nur noch zwei Prozent. Dies ist der bisher schlechteste für sie im ARD-DeutschlandTrend gemessene Wert.

Steinbrück genauso beliebt wie Seehofer

An der Spitze der beliebtesten Politiker steht weiterhin Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit ihrer Arbeit sind 68 Prozent der Deutschen zufrieden - das sind drei Punkte weniger im Vergleich zum Vormonat. Ihr folgt auf dem zweiten Platz Finanzminister Wolfgang Schäuble mit 64 Prozent. Auf den dritten Platz kommt die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mit 56 Prozent. Gleichauf mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück liegt CSU-Chef Horst Seehofer, mit dessen Arbeit 36 Prozent zufrieden sind (minus zwei Punkte).

Steinbrücks direkte Art kommt bei den Wählern nicht so gut an. Nur 37 Prozent der Befragten finden, ein Kanzlerkandidat solle offen sagen, was er denkt. 62 Prozent sagen, ein Kanzlerkandidat solle seine Meinung eher diplomatisch formulieren. Steinbrück hatte mit Äußerungen nach der Italien-Wahl für Aufsehen gesorgt. "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", hatte er gesagt und damit auf die Ergebnisse von Ex-Premier Silvio Berlusconi und den ehemaligen Komiker Beppe Grillo angespielt.

heb

insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
Moewi 07.03.2013
1.
Wie sagte Ole von Beust: "Die Union gibt Antwort auf Fragen, die keiner mehr stellt."
shardan 07.03.2013
2. Umfragen...
... machen die Leute, die nach der Wahl genau wissen,w arum sie vor der Wahl so daneben gelegen haben. Trotzdem finde ich erheiternd, das die herrschende Meinung in der CSU ganz offenbar nicht die Meinung der dort herrschenden ist.
DadaSiggi 07.03.2013
3. Viel durcheinander
Zitat von sysopDPAOffiziell hat die Union die Debatte über die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften beendet, zu verhärtet sind die Fronten bei CDU und CSU. Dabei spricht sich laut einer aktuellen Umfrage eine breite Mehrheit der Parteianhänger für die Gleichbehandlung schwuler und lesbischer Paare aus http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mehrheit-der-csu-anhaenger-sagt-ja-zur-gleichstellung-der-homo-ehe-a-887559.html
Ich glaube, hier wird viel und gerne durcheinander gebracht. Das Homo Beziehungen eine gleiche rechtlichen Status erhalten wie eine richtige Ehe steht außer Frage. Es geht doch sonst nur um dir Frage, ob Homos unbedingt auch Kinder haben müssen.
Atheist_Crusader 07.03.2013
4.
Die Bürger sind schon weiter als ihre Volksvertreter. Das könnte man witzig finden, wenn es nicht die Legitimierung der Letztgenannten in Frage stellen würde.
katjanella 07.03.2013
5. Beutekunst
Die fatale Diskrepanz zwischen Parteiideologien/Interessen und Gesellschaft ist unausweichlich, wenn - wie in Wahljahren immer schön zu sehen - Parteien aufgrund dilemmatischer Spagate zwischen Parteiprogramm/profil und abtriftender Stammwählermeinung komplett die Fassung verlieren. Wahlkämpfe sind reine Beutekunst. Wer nimmt wem die wahlentscheidenden Themen weg. Aus dem off krähen die letzten Mohikaner der Partei-Ideologien pardon –Programme dazwischen. Und der Käs ist perfekt. Wer soll das noch wählen? Wer mag sich da politisch ernsthaft engagieren? Aber das ist wohl gewollt.
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