Kampf gegen die Krise Mehrheit der Deutschen will mehr Staatsschulden

Das wird Angela Merkel nicht in ihr Sparkonzept passen: Eine große Mehrheit der Deutschen ist dafür, im Kampf gegen die Krise mehr Staatsschulden aufzunehmen. Laut ZDF-Politbarometer stimmen sie der Kanzlerin aber bei ihrem Nein zu Euro-Bonds zu.
Umstrittene Euro-Bonds: Mehrheit der Deutschen steht nicht hinter Merkels Sparpolitik

Umstrittene Euro-Bonds: Mehrheit der Deutschen steht nicht hinter Merkels Sparpolitik

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

Berlin - Wenn es nach der Mehrheit der Deutschen geht, steht das Mittel für mehr Wirtschaftswachstum fest: neue Schulden. Laut ZDF-Politbarometer sind 62 Prozent der Befragten für schuldenfinanzierte Wachstumsimpulse, nur 27 Prozent lehnen dies ab. Damit stellt sich die Mehrheit der Deutschen klar gegen das von Angela Merkel (CDU) vertretene Spardiktat.

Die Kanzlerin pokert derzeit mit der Opposition um den Fiskalpakt, jenen Vertrag, den 25 der 27 EU-Staaten für strengere Haushaltsdisziplin und stärkeren Schuldenabbau abschließen wollen. Kritik kam zuletzt unter anderem von Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin: Merkels Kurs "blockiert die Beendigung der Krise", sagte er der "Rheinischen Post". Die Kanzlerin müsse ihren finanzpolitischen Kurs dringend korrigieren.

Auch international steht Merkel mit ihrem Sparkurs in der Kritik. Insbesondere der neue französische Präsident François Hollande lehnt radikales Sparen ab - im Gegenteil: Er fordert staatliche Konjunkturprogramme, die über neue Schulden finanziert werden müssten.

Mehrheit der Deutschen gegen Euro-Bonds

In einer anderen Frage allerdings steht die Mehrheit der Deutschen hinter der Kanzlerin: Nach Angaben des ZDF-Politbarometers sprachen sich 79 Prozent der Befragten gegen gemeinsame europäische Anleihen aus, nur 14 Prozent befürworteten sogenannte Euro-Bonds. Merkel wehrt sich bisher vehement gegen das umstrittene Finanzierungsmittel. In diesem Punkt vertritt sie laut Umfrage offenbar die Mehrheitsmeinung der Deutschen.

Bonds sind Anleihen, also Schuldverschreibungen von Staaten. Bislang leiht sich jedes Land der Euro-Zone allein Geld von Investoren, Deutschland macht dies über Bundesanleihen. Mit Euro-Bonds würden dagegen alle Länder der Währungszone gemeinsam Schulden aufnehmen.

Der Umfrage zufolge wird der Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone zunehmend kritisch gesehen. Nur noch 31 Prozent der Befragten plädierten dafür, 60 Prozent lehnten dies ab. Im vergangenen November hatten noch 41 Prozent dafür gestimmt, Griechenland in der Währungsunion zu halten, dagegen waren 49 Prozent.

aar/Reuters
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