Vatikan-Besuch Merkel bekommt Privataudienz beim Papst
Vatikan-Stadt - Nur für den Papst ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Rom geflogen. Am Pfingstsamstag hat Papst Franziskus die Protestantin zu einer Privataudienz empfangen, fast eine ganze Stunde lang.
In dem ausführlichen Gespräch der beiden ging es neben Glaubensfragen auch um die Rolle Europas in einer globalisierten Welt. Dabei fanden das Oberhaupt der katholischen Kirche und die Protestantin einige Überschneidungspunkte.
"Die Wirtschaft ist dazu da, dass sie dem Menschen dient", sagte die Kanzlerin. Sie erklärte die Regulierung der Finanzmärkte zu einem zentralen Ziel. Der Papst hatte kürzlich die "Tyrannei" der Märkte verurteilt und Finanzreformen verlangt, die Arme mehr unterstützen würden. Geld solle dienen und nicht regieren, kritisierte der Papst.
Merkel besucht Papst: Geschenke und Finanzgespräche
Bereits Mitte März hatte Merkel dem neuen Papst die Hand geschüttelt bei seiner feierlichen Amtseinführung und ihn nach Deutschland eingeladen. Die Privataudienz im Vatikan bezeichnete die Kanzlerin nun als Anerkennung für Deutschland. Erneut lud sie Franziskus ein, nach Berlin zu kommen. Er habe die Fähigkeit, Menschen durch "einfache und berührende Worte" zu erreichen, lobte sie.
Merkel hatte dem Argentinier Geschenke mitgebracht, die dieser zu schätzen weiß: alle Aufnahmen des deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler, den Franziskus vor allem für seine Beethoven- und Wagner-Konzerte verehrt. Insgesamt waren es 107 CDs.
Dazu brachte Merkel dem Papst auch das Werk des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin mit in drei Bänden von 1905. Die Kanzlerin oder ihre Mitarbeiter hatten offenbar gut aufgepasst: Schon mehrmals hat Papst Franziskus seit seiner Amtseinführung den deutschen Dichter zitiert. Er gilt als sein Lieblingspoet. Die Kanzlerin bekam vom Papst Vatikan-Münzen überreicht.