Nachfolge im Kanzleramt Merkels Plan K

Wer folgt im Kanzleramt auf Angela Merkel? Offenbar gibt es neben Ursula von der Leyen in Reihen der Union eine neue Favoritin auf die Thronfolge: Merkel selbst soll laut einem Bericht die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer favorisieren.
CDU-Politikerinnen Kramp-Karrenbauer, Merkel (Archivbild von 2011): "Derzeit Merkels Nummer eins"

CDU-Politikerinnen Kramp-Karrenbauer, Merkel (Archivbild von 2011): "Derzeit Merkels Nummer eins"

Foto: Bernd Von Jutrczenka/ picture alliance / dpa

Berlin - In der Bundespolitik muss man sich womöglich an diesen Zungenbrecher gewöhnen: Kanzlerkandidatin Kramp-Karrenbauer. Die saarländische Ministerpräsidentin scheint nämlich eine Favoritin auf die Nachfolge von Angela Merkel zu sein. Das berichtet das Magazin "Cicero".

Bislang ist Annegret Kramp-Karrenbauer außerhalb des kleinen Saarlands kaum bekannt, doch in dem Polit-Magazin heißt es in einem langen Text über die Nachfolge im Kanzleramt: "Kramp-Karrenbauer ist derzeit Merkels Nummer eins."

Merkel beeindrucke an der 51-Jährigen, dass diese "zielstrebig, eigenständig" sei, aber auch "eine große Gelassenheit" habe. Die Autoren berufen sich bei ihrem Bericht auf Merkel-nahe Quellen.

In der Diskussion um eine Nachfolge der Kanzlerin tauchte der Name Kramp-Karrenbauer bislang nicht auf. Immer wieder wird Ursula von der Leyen genannt, derzeit Verteidigungsministerin. Auch der Name Thomas de Maizière fällt, doch durch die Pannen rund um Drohnenkäufe in seiner Zeit als Verteidigungsminister hat dessen Popularität offenbar gelitten.

Merkel lernte Kramp-Karrenbauer bei Koalitionsverhandlungen schätzen

In den vergangenen Monaten ist debattiert worden, ob sich die Kanzlerin in der Mitte dieser Amtszeit zurückzieht. Intern soll sie vor der Bundestagswahl deutlich gemacht haben, dass sie zehn Jahre als Regierungschefin für ausreichend halte. Das würde einen Rückzug im Jahr 2015 bedeuten.

Zuletzt hieß es allerdings, dass Merkel, die im Juli ihren 60. Geburtstag feiert, erst zur Mitte der Legislatur entscheide, wie es überhaupt für sie weitergehe. Möglich scheint auch, dass sie 2017 noch einmal antritt. Wer Merkel im Kanzleramt im Falle des Falles nachfolgen könne? Das sei völlig offen, hieß es aus dem Umfeld der Kanzlerin.

Der "Cicero" berichtet nun, Merkel habe Kramp-Karrenbauers Qualitäten vor allem während der Koalitionsverhandlungen im Herbst 2013 schätzen gelernt. Dort sei die Saarländerin immer wieder durch Ruhe und Entspanntheit aufgefallen: "Während alle rumhühnerten, stellte sie sich zwei Stühle zurecht, legte die Füße hoch und las ein Buch oder schloss einfach mal die Augen."

Kramp-Karrenbauer (Spitzname: AKK) ist seit 2011 Regierungschefin im Saarland und weiß, wie man eine Große Koalition führt. Sie kündigte die Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP auf, gewann die folgende Landtagswahl deutlich und führt seitdem ein schwarz-rotes Bündnis. Innerhalb der Union setzte sie sich für ein modernes Familienbild und die Frauenquote ein.

Trotz kleinerer Skandale regiert sie in Saarbrücken relativ ruhig vor sich hin. Überregionale Schlagzeilen machte sie zuletzt, als sie Opfer einer Beleidigung wurde. Linken-Politiker Oskar Lafontaine, mittlerweile Fraktionschef im Saarland, warf ihr in einer Debatte über den Landesverfassungsschutz an den Kopf: "Sie ticken nicht mehr richtig." Dieses Urteil teilt die Kanzlerin ganz offenkundig nicht.

fab
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