Merkel empört "Unvorstellbares Ausmaß systematischer Manipulation"

In den Radsport-Dopingskandal hat sich nun auch Angela Merkel eingeschaltet. Die Kanzlerin verlangte eine schonungslose Aufklärung und rief alle Doping-Sünder zu Ehrlichkeit auf.


Berlin - "Die bisherigen Geständnisse und Ermittlungen reichen nicht aus, um reinen Tisch zu machen", sagte Merkel. "Jetzt muss den Dingen weiter konsequent auf den Grund gegangen werden." Nach den Geständnissen prominenter Radsportler habe sich ein Abgrund aufgetan. Offensichtlich habe es ein "unvorstellbares Ausmaß systematischer und fortgesetzter Manipulation" gegeben, sagte Merkel. Alle Doping-Sünder hätten nun die Chance, ihr Schweige-Kartell zu brechen und ihrem Sport die Chance auf einen sauberen Neustart zu geben.

Beim geplanten Anti-Doping-Gesetz sind allerdings "noch viele Fragen offen", wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), einräumte. Klar sei, dass künftig "der Besitz von nicht geringen Mengen strafbar sein wird", sagte sie bei "N 24". Der sportpolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, forderte, auch "Sportbetrug" und den "Besitz von Dopingmitteln in geringem Umfang" unter Strafe zu stellen. Der Sportexperte der FDP-Fraktion, Detlef Parr, hielt im SWR ein standesrechtliches Verfahren gegen die geständigen Freiburger Ärzte für notwendig, die mitverantwortlich für Doping beim Telekom-Rennstall waren.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach sich für "eine Verschärfung und rechtliche Klarstellung durch einen eigenen Doping-Paragrafen" aus. Das bisherige Arzneimittel- und Betäubungsgesetz sowie der Paragraph zur Körperverletzung seien "stumpfe Waffen", da sich dopende Ärzte "immer wieder auf die Einwilligung der Sportler berufen". Montgomery verwies zudem darauf, dass die Ärztekammern schon jetzt nach Abschluss der staatlichen Ermittlungen Strafen von der Rüge bis zum Entzug der Approbation aussprechen können.

Zur Verhinderung künftiger Dopingfälle setzt der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD), auf eine Dopingabgabe für Sportsponsoren. Unternehmen und Sponsoren sollten aus den jährlich insgesamt 2,6 Milliarden Euro an Sportsponsoring jeweils ein Prozent des einzelnen Betrags an die nationale Anti-Doping-Agentur zahlen, forderte Danckert.

als/Reuters/ddp

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