Reaktionen auf den Tod Weizsäckers "Großer Verlust für Deutschland"

"Eine der wichtigsten Persönlichkeiten Deutschlands", "ein Zeuge des Jahrhunderts", "großer Intellektueller": Spitzenpolitiker würdigen Richard von Weizsäcker. Angela Merkel sagte, der ehemalige Bundespräsident habe Maßstäbe gesetzt.

Angela Merkel und Richard von Weizsäcker bei einer Veranstaltung im Herbst 2011
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Angela Merkel und Richard von Weizsäcker bei einer Veranstaltung im Herbst 2011


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den verstorbenen Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker als eine der großen deutschen Persönlichkeiten gewürdigt. "Wie er von 1984 bis 1994 sein Amt ausgeübt hat, das hat Maßstäbe gesetzt", sagte sie.

"Der Tod Richard von Weizsäckers ist ein großer Verlust für Deutschland", sagte Merkel. "Richard von Weizsäcker war eine der wichtigsten und geachtetsten Persönlichkeiten unseres Landes." Deutschland verdanke ihm richtungsweisende Reden. Weizsäcker habe seinen großen Intellekt, seine Würde und die Fähigkeit zur klugen Rede jahrzehntelang in den Dienst der Demokratie gestellt.

Richard von Weizsäcker war einer der beliebtesten und profiliertesten Politiker der Nachkriegszeit. Am Samstag starb der Altbundespräsident im Alter von 94 Jahren.

Von 1984 bis 1994 war der CDU-Politiker Bundespräsident. In diesem Amt erlangte Weizsäcker im In- und Ausland hohe Anerkennung. Besonders in Erinnerung geblieben ist seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes vom 8. Mai 1985. Darin bezeichnete Weizsäcker den 8. Mai 1945 als "Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft".

Im Schloss Bellevue wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sich Bürger eintragen können. Am Bonner Amtssitz, der Villa Hammerschmidt, ist dies am Montag von 10 bis 18 Uhr möglich. Spitzenpolitiker aus aller Welt würdigten Weizsäcker als Wegweiser in wichtiger Zeit.

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Richard von Weizsäcker: Der ideale Präsident
Der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck nannte Weizsäcker "einen großartigen Menschen und ein herausragendes Staatsoberhaupt". "Er war ein Zeuge des Jahrhunderts", so Gauck. "Richard von Weizsäcker hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir werden ihn nicht vergessen."

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte: "Richard von Weizsäcker hatte die Gabe und den Intellekt, den Menschen Orientierung zu geben und Deutschland in der Welt würdig zu vertreten." Seine Einordnung des 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung "hat das Geschichtsverständnis der Deutschen nachhaltig beeinflusst".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) beschrieb Weizsäcker als einen herausragenden und mutigen Politiker. "Gerade jetzt, in einer Zeit, da längst überwunden geglaubte Konflikte wieder aufbrechen, sollten wir uns an die Worte Richard von Weizsäckers erinnern. Lernen, 'miteinander zu leben, nicht gegeneinander' - diese Lehre aus unserer Geschichte, dieser mahnende Auftrag wird bleiben", so Steinmeier in der "Bild am Sonntag".

"Als Bundespräsident war es Richard von Weizsäcker ein großes Anliegen, 'Präsident aller Bürger' zu sein", sagte CSU-Chef Horst Seehofer, "und genau das war er. Er war eigenständig und überparteilich und prägte damit das Bild eines idealen Staatsoberhaupts."

Altbundespräsident
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte, Weizsäcker habe "Deutschlands Ansehen in der Welt gemehrt". Er habe "die Versöhnung und Aussöhnung mit unseren Nachbarn in Europa und mit Israel als eine besondere Verpflichtung und Aufgabe empfunden und gelebt".

Die Grünen sprachen vom "großen Staatsmann und Intellektuellen". "Seine moralische Integrität wird uns allen fehlen", teilten die Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt mit.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sagte: "Er war ein Mann der hohen politischen Kultur, die wir auch heute noch dringend benötigen."

Altbundespräsident Roman Herzog schrieb in der "Bild am Sonntag", Weizsäcker sei ein politischer Visionär gewesen. Er habe "die hergebrachten Gegensätze unseres ganzen politisch-gesellschaftlichen Denkens nicht anerkannt, zumindest immer wieder hinterfragt".

Frankreichs Staatspräsident François Hollande teilte mit, Weizsäcker habe durch seine persönliche Geschichte, sein politisches Engagement und seine moralische Haltung die Geschichte seines Landes geprägt. Er teile die Trauer des deutschen Volkes.

Und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nannte Richard von Weizsäcker einen "Freund". "Sein Wort und seine Persönlichkeit wird uns im Gedächtnis bleiben."

Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 im Bundestag.
Gewaltherrschaft
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"Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Verantwortung
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"Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Erinnerung
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"Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Gegenwart
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"Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Befreiung
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"Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

lgr/dpa/AFP

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
koenigludwigiivonbayern 31.01.2015
1. Adieu
Von Weizsäcker hat es verdient, richtig gelobt zu werden und nicht von Angela Merkel!
dherr 31.01.2015
2. Und...
Zitat von koenigludwigiivonbayernVon Weizsäcker hat es verdient, richtig gelobt zu werden und nicht von Angela Merkel!
auch nicht von diesem Gauck...
thomas haupenthal 31.01.2015
3. Hat...
...zur gegebenen Zeit das Richtige gesagt. Das macht gross. Adieu,hast es gut gemacht...
wohlmein 31.01.2015
4.
.., der ehemalige Bundespräsident habe Maßstäbe gesetzt. " Und wer hat im Archiv den Karton verräumt ?
p.donhauser, 31.01.2015
5. weizsäcker
mit ihm geht ein mensch und politiker, von dem sich die heutige politikerkaste 10-20 scheiben abschneiden könnten.
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