Auslandseinsätze und Rüstung Merkel will engere Militärkooperation mit Frankreich

Deutsche Kampftruppen in Afrika? Nein, das ist mit der Kanzlerin nicht zu machen. Und doch will Angela Merkel nun den Franzosen beim Thema Auslandseinsätze entgegenkommen: Vor Gesprächen in Paris kündigte sie an, die militärische Kooperation mit dem Nachbarland auszubauen.

Bundeswehrsoldat in Mali (Archiv): Merkel will Last mit Frankreich teilen
REUTERS/Bundeswehr

Bundeswehrsoldat in Mali (Archiv): Merkel will Last mit Frankreich teilen


Berlin - Die Bundeswehr soll nach dem Willen von Angela Merkel militärisch enger mit Frankreich zusammenarbeiten. Das gelte für Rüstungsprojekte, aber auch für Auslandseinsätze etwa in Afrika, sagte die Kanzlerin in ihrem Video-Podcast. Beispiele seien die Krisenländer Mali und Zentralafrikanische Republik.

Frankreich hatte sich im Januar 2013 zur Unterstützung der malischen Truppen im Kampf gegen islamistische Einheiten im Norden des Landes entschlossen. Die Bundeswehr beteiligt sich an einer EU-Mission zur Ausbildung der malischen Armee. Im Bundestag zeichnet sich eine breite Mehrheit für die Erhöhung der maximalen Truppenstärke von 180 auf 250 Soldaten ab. Für die Uno-Friedensmission Minusma stellt die Bundeswehr zudem drei Transall-Flugzeuge für den Transport von Truppen und Material bereit.

Merkel verwies darauf, dass die Bundeswehr beim Mali-Einsatz auch beim Betanken französischer Flugzeuge geholfen habe. "Aber ich glaube, hier ist noch mehr Gemeinsamkeit möglich", sagte die Regierungschefin. "Und insofern wird man sicherlich darüber sprechen: Wie können wir noch enger zusammenarbeiten?" Es gehe darum, die Last mit Frankreich zu teilen. Merkel nannte als Beispiel eine engere Zusammenarbeit der Armeen beider Länder bei moderner Ausrüstung.

Die Aussagen der Kanzlerin kommen kurz vor einem Treffen mit französischen Regierungsvertretern. Merkel reist am Mittwoch mit mehreren Ministern nach Paris. Schwerpunktthemen des Ministerrates sind Klima-, Energie-, Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Zusammenarbeit in den Bereichen Finanzen, Wirtschaft und Soziales sowie Innen- und Justizpolitik. Anschließend ist eine gemeinsame Pressekonferenz mit Staatspräsident François Hollande geplant.

Die Ankündigungen der Kanzlerin können als Unterstützung für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen interpretiert werden. Diese hatte trotz der Verluste der Bundeswehr in Afghanistan neue Kampfeinsätze im Ausland nicht ausgeschlossen und angekündigt, Deutschland wolle sich künftig stärker international engagieren. Bei einer Afrika-Reise sagte die Ministerin, sie sehe die Bundeswehr noch nicht an der Grenze ihrer Einsatzfähigkeit.

ulz/dpa/AFP

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