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Merkel spricht beim Festakt zur Einheit "Alles ist möglich"

Deutschland feiert sich und seine Einheit. Beim Festakt in Hannover wollte Kanzlerin Merkel Mut machen: Die Deutschen sollten sich vom "Seuchen-, Kriegs- und Terrorjahr" 2014 nicht entmutigen lassen.

Hannover - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Tag der Deutschen Einheit die Bedeutung der friedlichen Revolution in der früheren DDR vor 25 Jahren für die Wiedervereinigung hervorgehoben. "Ohne den Mut dieser Bürger, ohne den von ihnen erzeugten Reformdruck wäre es nicht zum Mauerfall gekommen. Das dürfen wir nie vergessen", mahnte die Kanzlerin. Sie empfinde "unverändert tiefe Freude" darüber, dass die Bürger den Tag der Deutschen Einheit feiern könnten.

Die Wiedervereinigung sei ohne die friedliche Revolution in der DDR und die anschließende diplomatische Überzeugungsarbeit der damaligen Bundesregierung auf internationalem Parkett nicht denkbar gewesen. "Die Wiedervereinigung war ein historisches Meisterstück."

An dem Festakt nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Altkanzler Gerhard Schröder sowie die Ministerpräsidenten anderer Bundesländer teil. Gefeiert wurde unter dem Motto "Vereint in Vielfalt".

Für noch mehr Nostalgie sorgte Klaus Meine, Sänger der Rockband Scorpions, der zusammen mit einem Mädchenchor seine Wendehymne "Wind of Change" sang. Dazu waren bewegende Momente der jüngsten deutschen Geschichte als Filmzusammenschnitt zu sehen.

"Vieles richtig gemacht"

Merkel schlug in ihrer Rede einen großen Bogen von den Werten, die zur Einheit Deutschlands führten, bis hin zu den aktuellen Problemen und Herausforderungen des Jahres 2014. "Heute können wir feststellen, wie unendlich viel seit 1990 geleistet wurde. Städte, die grau und kaputt waren, wurden bunt und entwickelten wieder ihr eigenes, neues Lebensgefühl", sagte Merkel.

Zwar sei die Arbeitslosigkeit im Osten noch höher als im Westen, 2013 seien aber erstmals mehr Menschen von West- nach Ostdeutschland gezogen als umgekehrt. Der allergrößte Teil der jungen Menschen finde inzwischen, dass die Wiedervereinigung Vorteile gebracht habe. Deutschland habe beim Zusammenwachsen beider Staaten "wirklich nicht alles falsch, sondern vieles richtig gemacht", betonte Merkel.

Die Unterschiede zwischen Ost und West verlören immer mehr an Bedeutung. "Und deshalb muss es uns auch für die Zeit nach dem Ende des Solidarpakts ab 2020 gelingen, die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern neu zu ordnen, und zwar so, dass wir für die ostdeutschen Länder finanzielle Brüche vermeiden und gleichzeitig ein System entwickeln, von dem alle strukturschwachen Regionen in Deutschland profitieren können." Das sei "eine echte Kraftanstrengung".

Die Kanzlerin riss in ihrer Rede nahezu alle größeren aktuellen Themen an. In diesem "Seuchen-, Kriegs- und Terrorjahr" scheine die Welt aus den Fugen geraten zu sein, zitierte Merkel Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Bei der Bewältigung der unzähligen nationalen und internationalen Probleme müsse Deutschland sich auf seine Werte und Überzeugungen besinnen, die schon den Fall der Mauer ermöglicht hätten.

"Alles ist möglich, das habe ich, wie Millionen anderer DDR-Bürger, am eigenen Leib erfahren", sagte Merkel. "In diesem Sinne braucht uns das Jahr 2014 nicht mutlos werden zu lassen. Ganz im Gegenteil."

cpa/dpa