Merkels FDJ-Vergangenheit Seibert weist Vorwürfe zurück

In der neuerlichen Diskussion um die DDR-Vergangenheit von Kanzlerin Merkel hat Regierungssprecher Seibert jegliche Verschleierung zurückgewiesen. Sie habe alle Fragen stets nach ihrer ehrlichen Erinnerung beantwortet.
Kanzlerin Merkel: "Nach bestimmten Dingen nie gefragt worden"

Kanzlerin Merkel: "Nach bestimmten Dingen nie gefragt worden"

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Berlin - Regierungssprecher Steffen Seibert hat Vorwürfe zurückgewiesen, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe politische Aspekte ihres Lebens in der DDR verschwiegen. "Die Bundeskanzlerin hat sich wiederholt und über Jahre hinweg in Büchern wie in Interviews zu ihrem Leben in der DDR geäußert", sagte Seibert am Montag in Berlin. "Sie hat Fragen dazu stets offen und stets auf der Basis ihrer ehrlichen Erinnerungen beantwortet."

Seibert reagierte damit auf Berichte sowohl im "Focus" als auch in der "Bild"-Zeitung, nach denen Merkel stärker in der kommunistischen SED-Jugendorganisation FDJ engagiert gewesen sein soll als bisher bekannt. Auslöser ist ein neues Buch der Journalisten Günther Lachmann und Ralf Georg Reuth über Merkels DDR-Vergangenheit. Darin zitieren die Autoren einen früheren FDJ-Sekretär namens Gunter Walther mit den Worten: "Angela Merkel war Sekretärin für Agitation und Propaganda." Walther habe der gleichen FDJ-Gruppe angehört wie Merkel.

Am Sonntagabend hatte die Kanzlerin selbst in einer Veranstaltung nach übereinstimmenden Medienberichten betont, dass sie nichts verheimlicht habe. "Ich kann mich da nur auf meine Erinnerung stützen. (...) Wenn sich jetzt etwas anderes ergibt, kann man damit auch leben." Allerdings sei sie nach bestimmten Dingen nie gefragt worden. Als Beispiele nannte Merkel ihre Mitgliedschaften im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) und der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft. Offen ließ Merkel, ob sie einst an der Akademie der Wissenschaften in Berlin FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda war. Bekannt ist, dass sie dort Kulturbeauftragte der FDJ war.

Der Fraktionschef der CDU im thüringischen Landtag, Mike Mohring, nahm die CDU-Vorsitzende in Schutz und verteidigte ihre FDJ-Mitgliedschaft: "Das ist nicht überraschend, sondern eine normale DDR-Biografie", sagte er am Montag. "Die Schwellen der Anstößigkeit hat sie nie überschritten." Diese wären aus seiner Sicht eine SED-Mitgliedschaft oder eine Zuarbeit für die Staatssicherheit (Stasi) gewesen.

ler/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.