Merkels Schattenkabinett Koch soll zu Berlin-Umzug bereit sein

Einem Zeitungsbericht zufolge wird in der Union mit einem Wechsel des hessischen Ministerpräsidenten Koch nach Berlin gerechnet, sollte CDU-Chefin Merkel Kanzlerin werden. Koch wolle jedoch nur kommen, wenn Stoiber in Bayern bleibe. Darum gibt es wiederum ein Gerangel innerhalb der CSU.


Merkel und Koch: "Interne Bereitschaft"
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Merkel und Koch: "Interne Bereitschaft"

Berlin - Ungeachtet öffentlicher Dementis habe Koch intern seine Bereitschaft angedeutet, in eine Regierung unter Angela Merkel einzutreten, berichtete die "Frankfurter Rundschau" in ihrer morgigen Ausgabe unter Berufung auf Informationen aus der CDU-Spitze. Ob Koch nach Berlin gehe, hänge auch von der Zukunft seines bayerischen Amtskollegen Edmund Stoiber ab. Wenn der CSU-Chef nicht Minister für Wirtschaft und Finanzen werde, sondern in München bleibe, könnte Koch das Finanzministerium übernehmen, berichtete die Zeitung aus Kreisen der Unionsfraktion im Bundestag. Koch komme aber auch für das Innenministerium in Frage.

Während sich Merkel den von ihr abgelösten Fraktionschef Friedrich Merz wegen seiner Unberechenbarkeit und Illoyalität nicht in einem Kabinett unter ihrer Führung vorstellen könne, liege der Fall bei Koch anders, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Merkel schätze die politischen und intellektuellen Fähigkeiten des Hessen, obwohl er in der Vergangenheit mehrfach gegen sie gearbeitet habe.

Merkel, Koch: Einer Kanzlerin nicht verweigern
DDP

Merkel, Koch: Einer Kanzlerin nicht verweigern

In Berliner Unionskreisen sei von positiven Signalen die Rede, die Koch für eine Zusammenarbeit mit Merkel in der Regierung gegeben habe. Diesen Eindruck habe Koch auch bei mehreren CDU-Ministerpräsidenten erweckt. Als sicher gelte ein Umzug nach Berlin für den saarländischen Regierungschef Peter Müller, über Koch heiße es aber lediglich, er werde sich nicht verweigern, wenn die Bundeskanzlerin ihn rufe. Kochs Sprecher Dirk Metz bekräftigte dagegen gegenüber der Zeitung, den öffentlichen Versicherungen des Ministerpräsidenten, er bleibe in Wiesbaden, sei nichts hinzuzufügen.

Der frühere CSU-Vorsitzende Theo Waigel forderte unterdessen seinen Nachfolger Stoiber in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf, in die Bundespolitik zu wechseln. "Nur wer mit einem mutigen Sprung den Abgrund überwindet, übernimmt die notwendige Verantwortung für Deutschland und Europa, durchaus im Wissen um das politische und persönliche Risiko", schrieb der frühere Bundesfinanzminister in der Samstagausgabe der Zeitung. Wer zu Recht auf Erfolge in Bayern verweise, müsse dann, "wenn sich die realistische Chance zur Neugestaltung Deutschlands bietet, die Herausforderung annehmen und zeigen, wie es besser gemacht werden kann".

Zustimmung findet Waigel nach den Worten des Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Joachim Herrmann, bei der Berliner Landesgruppe der CSU. Dort herrsche "eine deutliche Stimmung: der Stoiber muss nach Berlin und dort mit anpacken". Unter den CSU-Abgeordneten im bayerischen Landtag dagegen herrsche eine ganz andere Stimmung. "Wir würden uns wünschen, dass er bleibt." Bei den Landtagsabgeordneten gebe es "eine ganz deutliche Mehrheit" dafür. Man respektiere, dass sich Stoiber erst nach der Wahl entscheiden wolle, erklärte Herrmann.



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