Personalie mit Streit-Potenzial Kretschmer kündigt Kandidatur für CDU-Präsidium an

Nicht nur Angela Merkel steht bald zur Wiederwahl als CDU-Parteichefin. Auch das Präsidium wird neu gewählt. Es könnte zu einer Kampfkandidatur zweier ostdeutscher Landeschefs kommen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)
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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)


Bislang stand Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière im CDU-Präsidium für die ostdeutschen Länder. Er ist zwar gebürtiger Wessi, hat seine politische Heimat aber seit Langem in Sachsen. Nun tritt de Maizière ab, und als Nachfolgekandidat für die Wahl auf dem Bundesparteitag im Dezember bringt sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ins Spiel. "Sachsen und der Osten brauchen eine starke Stimme in der CDU-Parteiführung in Berlin", sagte er dem SPIEGEL. "Beim Strukturwandel in der Lausitz und im mitteldeutschen Revier, bei der Entwicklung des ländlichen Raumes und beim Ausbau der digitalen Infrastruktur brauchen wir ein klares Bekenntnis der Bundespartei."

Für Kretschmer ist der Posten auch deshalb wichtig, weil im nächsten Jahr in Sachsen gewählt wird. Sein CDU-Landesvorstand hat ihn bereits nominiert. Außer ihm will die Landespartei Marco Wanderwitz, Parlamentarischer Staatssekretär bei Bundesinnenminister Horst Seehofer, für den CDU-Bundesvorstand ins Rennen schicken. "Wir Sachsen gehen davon aus, dass zwei Kandidaten für die Parteispitze keine ungebührliche Forderung sind", sagt Wanderwitz. Bislang ist Sachsen im Bundesvorstand durch Bundestags-Fraktionsvize Arnold Vaatz vertreten, der nicht noch einmal antreten will.

Die Personalien könnten noch für Streit sorgen, da noch ein anderer ostdeutscher CDU-Landeschef den Finger für einen der sieben Beisitzerplätze im Präsidium heben könnten: Auch Thüringens CDU-Chef Mike Mohring, der bei seiner Landtagswahl im nächsten Jahr versuchen will, den linken Ministerpräsident Bodo Ramelow zu besiegen, soll Interesse an einer Kandidatur haben, wie die "Thüringer Allgemeine" berichtet.

CDU-Landeschef in Thüringen, Mike Mohring
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CDU-Landeschef in Thüringen, Mike Mohring

Noch hat Mohring sich nicht offiziell beworben. Aber seine Unterstützer weisen darauf hin, dass Kretschmer als amtierender Ministerpräsident auch ohne Wahl ins Präsidium gelangen könnte, da er kooptiert werden könne. Die Thüringer CDU will in ihrer nächsten Vorstandssitzung entscheiden, ob sie Mohring als Kandidaten für das Präsidium aufstellen will.

ama



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
jsavdf 24.10.2018
1. Mögen Journalisten
Den Begriff Kampfkandidatur? Kann man nicht einfach von einer Wahl sprechen? Ich stelle mir es so vor: Zwei Politiker wollen ein Amt; einige Berichte sprechen von Kampfkandidatur; Parteistrategen lesen diese Berichte und im Hirn löst das Wort Angstzustände aus, was denn der Wähler um den inneren Diskurs der Partei denkt; Parteistratege geht zum Parteivorstand; Parteivorstand geht zum ungeliebten Kandidaten; es wird einer der beiden mit 80%+ gewählt; die gleichen Journalisten schreiben jetzt von einer Wahl. Ohne jetzt ein Neusprech zu initiieren, glaube ich dass eine Änderung der Sprachgebrauchs in dieser Sache den Parteien und der Vielfalt gut täte. Ich glaube ganz ehrlich, dass eine Stärke der Grünen ist, diesen inneren Diskurs durchgestanden zu haben.
lesheinen 24.10.2018
2.
Herrn Kretschmer sehe ich nicht als Bereicherung des CDU-Präsidiums. Teile seiner Äußerungen stehen der AfD wohlan. Klare Kante gegen rechtsaußen ist nicht sein Ding, mehr das Anbiedern.
d45gts 24.10.2018
3. Das macht eine Partei aus.
Zitat von lesheinenHerrn Kretschmer sehe ich nicht als Bereicherung des CDU-Präsidiums. Teile seiner Äußerungen stehen der AfD wohlan. Klare Kante gegen rechtsaußen ist nicht sein Ding, mehr das Anbiedern.
Das macht eine Partei, insbesondere eine Volkspartei, aus, dass sie sich breit aufstellt. Noch deutlicher wird dies bei den Grünen, auf der einen Seite werden Linksradikale unterstützt, auf der anderen Seite gibt es die Realos. Das gleiche bei der SPD, den Linken, der CSU und selbst der AFD. Die Lösung wären 80 Mio Parteien. Allerdings schafft dann keine die 5%-Hürde.
simonweber1 24.10.2018
4. Es
Zitat von jsavdfDen Begriff Kampfkandidatur? Kann man nicht einfach von einer Wahl sprechen? Ich stelle mir es so vor: Zwei Politiker wollen ein Amt; einige Berichte sprechen von Kampfkandidatur; Parteistrategen lesen diese Berichte und im Hirn löst das Wort Angstzustände aus, was denn der Wähler um den inneren Diskurs der Partei denkt; Parteistratege geht zum Parteivorstand; Parteivorstand geht zum ungeliebten Kandidaten; es wird einer der beiden mit 80%+ gewählt; die gleichen Journalisten schreiben jetzt von einer Wahl. Ohne jetzt ein Neusprech zu initiieren, glaube ich dass eine Änderung der Sprachgebrauchs in dieser Sache den Parteien und der Vielfalt gut täte. Ich glaube ganz ehrlich, dass eine Stärke der Grünen ist, diesen inneren Diskurs durchgestanden zu haben.
sind so manche Formulierungen von Journalisten nur schwer verständlich. Einer davon ist Kampfkandidatur. Natürlich ist es eine Wahl und Wahl bedeutet eben Auswahl. Es ist doch erfreulich und positiv für eine Demokratie, wenn Posten nicht wie häufig in der Vergangenheit in Hinterzimmern ausgekungelt werden. Wir erleben es doch viel zu selten, dass sich mehrer Bewerber um eine Position bemühen und dann im Rahmen einer Wahl entschieden wird, wer daraus als Sieger hervor geht und die zuständigen Gremien nicht nur eine bereits vorher getroffene Entscheidung abzunicken haben.
kael 24.10.2018
5. Kampfkandidatur?
Die ständige Verwendung dieses Kampf-Begriffes kann auch ich nicht verstehen. "Kampfkandidatur" suggeriert etwas Nagatives, eine Auflehnung gegen die bestehende Ordnung. So etwas passt vielleicht zu autoritären Führern, die demokratischen Wettbewerb nicht gewohnt sind und jeden, der sich darum bemüht, als persönlichen Feind betrachtet. Ich meine, insbesondere eine gefestigte Demokratie wie die unserige sollte sich vom Wort "Kampf" im Zusammenhang mit Bewerbern und Wahlen verabschieden und sie so bewerten, was sie sind: Gut und völlig normal. Dazu sollten auch die Medien ihren Beitrag leisten.
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