Parlamentsvizepräsidentin Göring-Eckardt für Gorbatschow-Gedenken im Bundestag

Wie soll Deutschland den verstorbenen Michail Gorbatschow würdigen? In der Politik werden parteiübergreifend Stimmen nach einer Gedenkveranstaltung im Bundestag laut.
Parlamentsvizepräsidentin Göring-Eckardt: »Ich unterstütze es, dass sein Verdienst für Frieden und die Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag gewürdigt wird«

Parlamentsvizepräsidentin Göring-Eckardt: »Ich unterstütze es, dass sein Verdienst für Frieden und die Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag gewürdigt wird«

Foto: IMAGO/Sebastian Gabsch / IMAGO/Future Image

Das Ende des Kalten Krieges, der Fall der Berliner Mauer, die deutsche Wiedervereinigung – all dies ist ohne Michail Gorbatschow kaum denkbar. Nun ist er im Alter von 91 gestorben. Aus Grünen und Linken gibt es Stimmen, die sich für eine Gedenkveranstaltung im Bundestag zu Ehren Gorbatschows aussprechen.

»Unser Land hat Michail Gorbatschow viel zu verdanken. Ich unterstütze es, dass sein Verdienst für Frieden und die Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag gewürdigt wird«, sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) dem SPIEGEL.

Auch Linksfraktionschef Dietmar Bartsch fordert eine eigene Gedenkveranstaltung. »Deutschland sollte in jedem Fall eine eigene Würdigung von Gorbatschow vornehmen. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung so nicht gegeben«, sagte Bartsch dem SPIEGEL. »Denkbar wäre auch eine Feierstunde im Bundestag«, so der Linkenpolitiker.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte nach der Kabinettsklausur in Schloss Meseberg offen gelassen, ob er an einer Trauerfeier für Gorbatschow in Russland teilnehmen würde. »Ich glaube, das ist jetzt nicht der Ort oder der Zeitpunkt, um über Reisen zu reden«, sagte Scholz. Er hoffe, »dass der russische Staat seinem früheren Staats- und Regierungschef die Ehre erweist, die ihm gebührt«.

»Gorbatschow hat Weltgeschichte geschrieben«

Auch Altkanzlerin Angela Merkel wollte sich nicht dazu äußern, ob sie erwägt, zu einem Trauerakt zu reisen. Über eine solche Reise könne »zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden, da die näheren Umstände hierzu noch offen sind«, teilte eine Sprecherin mit. Wegen einer im Urlaub erlittenen Knieverletzung wäre eine Teilnahme im September aber ohnehin nicht möglich. Die Nachricht von Gorbatschows Tod habe Merkel mit großer Trauer vernommen, schrieb die Altkanzlerin in einem Statement. »Gorbatschow hat Weltgeschichte geschrieben. Er hat vorgelebt, wie ein einzelner Staatsmann die Welt zum Guten verändern kann.«

Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der größtenteils gekappten Flugverbindungen gilt es als fraglich, ob überhaupt internationale Gäste zu einer Beerdigung nach Moskau kommen würden. Jüngst hat zudem Brüssel eine bisher geltende Visa-Erleichterung zwischen Russland und der Europäischen Union ausgesetzt. Unklar ist bislang auch, ob für Gorbatschow ein Staatsbegräbnis vorgesehen ist. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow hängt dies auch von den Wünschen der Angehörigen und Freunde ab.

Gorbatschow soll auf dem Moskauer Neujungfrauenfriedhof für Prominente beerdigt werden – neben seiner Frau Raissa. Sie war 1999 nach schwerer Krankheit in Münster gestorben.

kor/til/mrc/ulz
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