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13. Februar 2010, 10:16 Uhr

Miese Umfragewerte

Westerwelle-Vize fordert Machtteilung in der FDP

Angriff aus der eigenen Partei: FDP-Vizechef Andreas Pinkwart fordert eine hierarchische Neuordnung der Liberalen. Guido Westerwelle müsse mehr Verantwortung an sein Führungsteam abgeben. Als Vorbild empfiehlt er dem Vorsitzenden ausgerechnet dessen Mentor - Ex-Bundesaußenminister Genscher.

Berlin - Die Umfragewerte der FDP sind schlecht, Parteivize Andreas Pinkwart will die Partei daher neu ausrichten: Er fordert von seinem Chef Guido Westerwelle eine Umordnung der Hierarchie. Der Vorsitzende müsse die Verantwortung für die Partei auf mehr Schultern verteilen. "Die FDP muss mehr Gesichter in den Vordergrund stellen", sagte Pinkwart dem "Hamburger Abendblatt".

Der Parteivize empfahl dazu den früheren FDP-Chef und Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher als Vorbild: "Hans-Dietrich Genscher ist es gelungen, die Verantwortung für die FDP mit starken Kollegen zu teilen", sagte Pinkwart der Zeitung weiter. "Genscher hat unter Beweis gestellt, dass man Außenamt und Parteivorsitz sehr lange und sehr erfolgreich miteinander verknüpfen kann."

Eine größere Rolle in der Partei sollten nach Pinkwarts Ansicht vor allem die neuen Mitglieder der Bundesregierung spielen, dazu der neue Generalsekretär Christian Lindner und auch einige Landespolitiker. "Dazu gehört, dass die Partei es aushält, wenn sich Persönlichkeiten aus der engeren Führung profilieren. Das darf nicht gleich als Angriff auf den Parteivorsitzenden gesehen werden", sagte Pinkwart.

Pinkwart ist auch Landesvorsitzender der Freidemokraten in Nordrhein-Westfalen und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 9. Mai. Zu den schlechten Umfragewerten für die Landes-FDP sagte er: "Wir leiden unter dem Einbruch der Bundespartei mit." Nach dem "sensationellen Erfolg" bei der Bundestagswahl sei eine gewisse "Abkühlung" zu erwarten gewesen. "Der deutliche Rückgang in den Umfragen zeigt allerdings, dass die Wähler sehr enttäuscht sind von der FDP. Wir müssen hart daran arbeiten, unsere Erfolgsstory fortzusetzen."

Gleichzeitig verteidigte Pinkwart Westerwelle gegen Kritik an seiner Warnung vor "spätrömischer Dekadenz" in Deutschland. Westerwelle bringe auf den Punkt, "was Millionen von Arbeitnehmern und Mittelständlern denken, die tagein, tagaus den Karren ziehen".

ssu/AFP/dpa

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