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Mike Mohring über die Thüringen-Krise "Ich habe in dem Moment gefühlt, dass das nicht gut ausgehen kann"

Die Ministerpräsidenten-Wahl in Erfurt hat die CDU in eine tiefe Krise gestürzt. Der SPIEGEL hat mit Noch-Landeschef Mike Mohring über die dramatischen Stunden gesprochen - und darüber, warum er sich nun zurückzieht.
Ein Interview von Steffen Winter
aus DER SPIEGEL 8/2020
Noch-CDU-Fraktionschef Mike Mohring: "Es ist sofort heftig geworden"

Noch-CDU-Fraktionschef Mike Mohring: "Es ist sofort heftig geworden"

Foto:

Michael Sohn/ AP

Der Noch-Chef der CDU-Fraktion im thüringischen Landtag, Mike Mohring, hat nach eigener Aussage versucht, die FDP-Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten zu verhindern. Im SPIEGEL schildert Mohring, wie er vor einer Wahl des FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD gewarnt hat. Im Vorfeld der Abstimmung für das Amt des Ministerpräsidenten in Erfurt habe er Kanzlerin Angela Merkel und die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer um Unterstützung gebeten. Seiner Fraktion habe er vorher gesagt, es könne passieren, dass auch die AfD für den FDP-Mann stimme "und dass dann ein Tsunami losbräche". Danach habe er die Abgeordneten einzeln abgefragt - aber alle hätten Kemmerich wählen wollen.

Lesen Sie hier das ganze Interview.

SPIEGEL: Herr Mohring, Ihre Fraktion hat gemeinsam mit der AfD für den FDP-Ministerpräsidenten gestimmt und damit ein politisches Beben ausgelöst. Sie selbst haben direkt nach der Wahl Thomas Kemmerich gratuliert. Haben Sie nicht geahnt, was kommen würde?

Mohring: Doch. Ich habe in dem Moment gefühlt, dass das nicht gut ausgehen kann. Ich habe meine Pressestelle gebeten, keine Glückwünsche zu senden. Weder von der Partei noch von der Fraktion. Ich hatte vor genau dieser Situation gewarnt.

SPIEGEL: Sie hätten selbst antreten und die CDU-Stimmen auf sich ziehen können, dann wäre alles anders gekommen.

Mohring: Ich habe mich frühzeitig von dieser Idee verabschiedet. Wer mich kennt, weiß, dass das keine einfache Entscheidung war. Aber ich hätte ja auch mit Stimmen der AfD gewählt werden können. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.

SPIEGEL: Ihre Fraktion hat dann trotzdem den FDP-Kandidaten gewählt, obwohl die Abgeordneten damit rechnen mussten, dass auch die AfD so abstimmen wird. Warum haben Sie nicht interveniert?

Mohring: Schon am Wahlabend, dem 27. Oktober, habe ich das ganze Dilemma gesehen und gesagt, dass man mit Bodo Ramelow über die Lage im Land reden muss, um Stabilität für Thüringen zu sichern. Dieses Wahlergebnis hat schlicht nichts hergegeben, was klassischerweise für Mehrheiten sorgt. Es gibt den Parteitagsbeschluss von der CDU – nicht mit Links, nicht mit der AfD, in keiner Weise –, und streng ausgelegt hätte jede Regierungsbildung dagegen verstoßen, und wir wären schon im November auf sofortige Neuwahlen zugesteuert.

SPIEGEL: In dieser Situation haben Sie den Eindruck erweckt, Sie strebten eine Koalition mit den Linken an.

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