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Millionenprovisionen für Masken Hohlmeier gibt sich ahnungslos – distanziert sich aber nicht

Die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier half Andrea Tandler bei der Anbahnung von Maskengeschäften mit dem Bund. Von mutmaßlichen Millionenprovisionen für ihre Bekannte will die Strauß-Tochter aber nichts gewusst haben.
aus DER SPIEGEL 20/2021
CSU-Europapolitikerin Monika Hohlmeier

CSU-Europapolitikerin Monika Hohlmeier

Foto: Matthias Balk / dpa

Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) wusste nach eigener Aussage nicht, dass ihre langjährige Bekannte Andrea Tandler bei Maskengeschäften mit dem Bund offenbar Millionenprovisionen kassiert hat. Davon habe Tandler ihr nichts gesagt, ließ Hohlmeier über einen Anwalt dem SPIEGEL ausrichten.

Hohlmeier, Tochter der CSU-Ikone Franz Josef Strauß, hatte im Frühjahr 2020 mit einer SMS an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Tür ins Ministerium für die Tochter des Strauß-Intimus Gerold Tandler (CSU) geöffnet. Bei Geschäften der Schweizer Firma Emix mit dem Bund in Höhe von rund 700 Millionen Euro sollte Tandler als Maklerin Provisionen von fünf bis 7,5 Prozent erhalten. Das entspricht rund 30 bis 50 Millionen Euro, von denen ein großer Teil tatsächlich geflossen sein soll.

Hohlmeier selbst will dagegen nichts verdient haben. Von Tandler und ihrem Geschäftssinn distanzieren wollte sie sich nicht.

Dagegen hat Spahn am Mittwoch auf eine Frage zu Emix klargestellt, dass er die »Margen und Zwischengewinne« vieler damaliger Anbieter für moralisch »unanständig« hält und als Hinweis darauf wertet, wie die Notlage der Politik von Händlern in »Goldgräberstimmung« ausgenutzt worden sei.

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In Bayern stellte Monika Hohlmeier den Kontakt für Tandler zur damaligen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) her. Wie gut die Firma Emix dabei verdient haben dürfte, zeigt ein vertraulicher Beschaffungsbericht der Landesregierung. Demnach war der Auftrag über eine Million Masken der mit Abstand teuerste Deal für FFP2-Mundschutz, den das Gesundheitsministerium während der ersten Coronawelle im Frühjahr 2020 abschloss.

Pro Maske rief Emix 8,90 Euro netto auf. Verträge mit den nächstteureren Lieferanten kamen für Stückpreise von 5,98 Euro mit einer Firma aus Sindelfingen, 5,50 Euro und 5,45 Euro mit Lieferanten aus München und Stade zustande. Die Opposition im Landtag droht mit einem Untersuchungsausschuss.

amp/fri
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