Millionengehälter Minister empört über Dresdner-Bank-Vorstände

"Unanständiges Verhalten", "maßlose Forderungen": Finanzminister Steinbrück und Wirtschaftsminister Guttenberg haben die Millionengehälter bei der kriselnden Dresdner Bank hart kritisiert. Guttenberg forderte die Manager auf, ihre Boni zurückzugeben.


Berlin - Einigkeit herrscht in der Regierung derzeit eher selten. Doch zumindest bei der Managerschelte liegen Union und SPD auf einer Linie. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wie auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) geißelten die Millionengehälter der ehemaligen Dresdner-Bank-Chefs in der "Bild"-Zeitung als "unanständig" und "maßlos".

Steinbrück, Guttenberg: Millionengehälter "maßlos" und "unanständig"
DDP

Steinbrück, Guttenberg: Millionengehälter "maßlos" und "unanständig"

Am Freitag war bekanntgeworden, dass die neun Vorstände der Dresdner Bank trotz eines Verlusts des Instituts von 6,3 Milliarden Euro 2008 eine Vergütung von rund 58 Millionen Euro erhalten haben. Sie kassierten also doppelt so viel wie im Vorjahr - obwohl die Bank damals 450 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Damit gehören die Dresdner-Manager zu den Spitzenverdienern unter den europäischen Bankvorständen. Die Bank ist inzwischen von der Commerzbank übernommen worden - die Manager werden nicht weiterbeschäftigt.

Steinbrück sagte der "Bild"-Zeitung, die Banker würden der Gesellschaft mit "solch einem unanständigen Verhalten" schweren Schaden zufügen. Auch Guttenberg übte harsche Kritik: "Ich habe kein Verständnis für maßlose Forderungen von Managern, deren Unternehmen ohne die Hilfe der Steuerzahler heute keine Gehälter und schon gar keine Boni mehr zahlen könnten." Es sei eine Frage des Anstands, dass die Manager ihre Boni zurückzahlten oder spendeten.

Auch aus dem wirtschaftsliberalen Flügel der Union kam Kritik. Michael Fuchs, CDU-Wirtschaftspolitiker und Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, forderte in der "Bild"-Zeitung, bei Verlusten müssten Prämien für Vorstände künftig ausgeschlossen werden. Fuchs verlangte gleichzeitig schärfere Haftungsregeln für die Aufsichtsräte. "Aufsichtsräte, die solche Millionenbeträge absegnen, handeln unverantwortlich." Das schließe die Gewerkschaftsvertreter, die in diesen Gremien sitzen, mit ein, sagte der CDU-Politiker.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte die hohen Bezüge "maßlos". Damit werde das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft geschädigt. Heil forderte, "die steuerliche Abzugsfähigkeit von überzogenen Managergehältern und Abfindungen zu deckeln. Hier muss die Union endlich mitziehen".

Anders als bei der neuen Tochter Dresdner Bank sind die Vorstandsgehälter bei der Mutter Commerzbank 2008 wegen der Milliardenhilfen des Staates und der Finanzkrise um zwei Drittel abgeschmolzen. Eine Auflage des Banken-Rettungsfonds Soffin ist, dass die Bezüge von Bankchef Martin Blessing und seiner Kollegen auf 500.000 Euro pro Jahr begrenzt werden. Die übrigen sieben Mitglieder des Vorstands erhielten für 2008 je 480.000 Euro.

cte/Reuters/dpa

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