Bundeswehr Drohnen-Verluste kosteten 110 Millionen Euro

Das Verteidigungsministerium hat gegenüber dem Bundestag die Zahl der verunglückten Bundeswehr-Drohnen nach oben korrigiert. Erstmals beziffert das Haus von Thomas de Maizière auch den finanziellen Schaden. Die Opposition schimpft auf die "Wegwerfmentalität".

"Heron"-Drohne der Bundeswehr: Unglücke kosteten 110 Millionen Euro
picture alliance / dpa

"Heron"-Drohne der Bundeswehr: Unglücke kosteten 110 Millionen Euro


Berlin - Das Verteidigungsministerium hat die Zahl verunglückter Bundeswehr-Drohnen nun auch in einem Schreiben an den Verteidigungsausschuss nach oben korrigiert. Seit 2004 seien 137 unbemannte Flugsysteme verlorengegangen, heißt es in einem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Schreiben von Staatssekretär Rüdiger Wolf an den Verteidigungsausschuss. Mitte Juni hatte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion die Zahl noch mit 124 beziffert. Der Großteil der Unfälle bezieht sich auf die kleineren Aufklärungsdrohnen "Luna" und "KZO".

Erstmals lieferte das Verteidigungsministerium auch Angaben zu den daraus resultierenden finanziellen Verlusten. Demnach ist durch die Unfälle und Abstürze ein Schaden von knapp 110 Millionen Euro entstanden. Aufgrund von Unsicherheiten bei der Preisentwicklung sei die Ermittlung des finanziellen Gesamtverlusts jedoch "nicht vollumfänglich leistbar", heißt es einschränkend in dem Schreiben.

Der Großteil der Schadensmeldungen stammt aus den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Afghanistan und dem Kosovo, 23 Flugsysteme verunglückten den Angaben zufolge in Deutschland. Rund die Hälfte der Gesamtkosten geht auf Unfälle von 18 "KZO"-Drohnen zurück. Die Verluste von zwei großen Aufklärungsdrohnen vom Typ "Heron" kosteten demnach 9,3 Millionen Euro. Die höchste Unfallquote verzeichnet die vergleichweise günstige Aufklärungsdrohne "Luna". Seit 2004 verunglückten 52 von 81 Modellen - was Kosten von 14,3 Millionen Euro verursachte.

"Regelrechte Wegwerfmentalität"

Die genaue Anzahl verunglückter Drohnen hatte zuletzt für politischen Streit gesorgt. Die Opposition wirft Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vor, die Angaben immer wieder geschönt und das Parlament falsch informiert zu haben. Tatsächlich hat das Ministerium die Zahlen mehrfach nach oben korrigiert. Im März 2011 hatte das Wehrressort nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auf Fragen der Linken-Fraktion den Absturz von nur zwölf Drohnen gemeldet. Im Februar 2012 seien 17 Abstürze genannt worden. Mitte Juni hatte das Haus dann von 124 Fällen gesprochen. Ende Juni aktualisierte das Ministerium die Zahlen auf seiner Homepage auf 137.

"Seit zwei Jahren bemühen wir uns um überprüfbare Angaben zu abgestürzten Drohnen. Das Parlament wurde hierzu wissentlich belogen", kritisiert der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko. "Die Verluste gehören wohl zum Geschäft mit der Rüstungsindustrie: Es zeigt sich eine regelrechte Wegwerfmentalität, über deren Kosten erstmals Zahlen angegeben werden."

Das Verteidigungsministerium verwahrt sich gegen den Vorwurf der Falschinformation. Im Haus von de Maizière betont man, dass in den Flugunfällen auch sogenannte systemkonforme Landungen enthalten seien, die aus Sicherheitsgründen ausgelöst würden - also wenn wegen Fehlern beim Bedienen oder gestörten Funkverbindungen eine Maschine selbständig zu Boden geht und dabei zerstört wird. Zudem betreffe eine große Zahl der Fälle kleine Systeme wie die Aufklärungsdrohne "Luna".

vme

Korrektur: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, das Verteidigungsministerium habe die Zahlen verunglückter Drohnen erneut nach oben korrigieren müssen. Tatsächlich hat das Ministerium die Angaben auf seiner Homepage bereits vor einigen Wochen verändert. Allerdings wurde der Bundestag erst jetzt offiziell informiert. Wir haben die Textstelle entsprechend geändert.

insgesamt 33 Beiträge
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Percy P.Percival 24.07.2013
1. Nur 110 Millionen?
Wahrlich läppische Werte, wo allein die Finanzierung des quasi-staatlichen Rundfunks den Bürger 7500 Millionen kostet.
testi 24.07.2013
2. Geld?
Bei solchen Berichten frage ich mich, wieso ist für solche Dinge Geld da, und für wirklich wichtiges in unserem Land nicht?
ks82 24.07.2013
3.
Zitat von Percy P.PercivalWahrlich läppische Werte, wo allein die Finanzierung des quasi-staatlichen Rundfunks den Bürger 7500 Millionen kostet.
Stimmt, wenn man's so betrachtet. Oder Stuttgart 21 mit 6,5 Milliarden Euro. Ganz Europa belehren wir zwar über's Sparen, aber bei Mutti daheim klappt's auch nicht.
muffelkopp 24.07.2013
4. 1,37%
Das sind etwa 1,37% dessen, was bereits an Griechenland geflossen ist, zumindest definitiv flöten ist. In Zeiten der Milliarden sind das nun wirklich mal Peanuts, so what... Es nervt ohnehin in dieser Diskussion, so wichtig das Aufklären der Missstände an sich aus ein mag, sollte man die Kirche im Dorf lassen und die wirklich großen Dinger diskutieren. Statt dessen erregt, nein empört man sich über Summen unterhalb einer Milliarde, während drei Seiten weiter in der Zeitung die großen Beträge stehen, über die es sich vielmehr aufzuregen lohnte. (nur ein kleines Beispiel: HSH Nordbank: mehr zweistelliger Milliarden(!)schaden). Und hier wird ein Bohei um 110 Millionen gemacht...
ulrich_frank 24.07.2013
5. Bei derart hohem Ausfallquoten
stellt sich doch wirklich die Frage, ob es sich bei den Drohnen um ein taugliches Konzept handelt oder nicht eher um ein "me too"-Phänomen. Aber daß das verschwendete Geld anderswo besser angelegt wäre ist diesem Staat und seinen Vertretern sowieso gleichgültig.
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