Milzbrand-Fehlalarm Gipspakete zum Geburtstag

Der Robert-Koch-Institut hat inzwischen endgültig Entwarnung gegeben: Die verdächtigen Sendungen in Thüringen und Schleswig Holstein enthielten keine tödlichen Anthrax-Erreger. Das Gesundheitsministerium von Thüringen räumt inzwischen Fehler beim Ablauf der Aktion ein.

Berlin/Erfurt - Am Freitagabend hatten Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und das Robert-Koch-Institut (RKI) mitgeteilt, dass bei genetischen Untersuchungen von drei verdächtigen Postsendungen aus Thüringen und Schleswig-Holstein keine Milzbrand-Erreger gefunden worden seien. Mit "98- prozentiger Sicherheit" handle es sich nicht um Anthrax-Bakterien. Am Samstag bestätigte das RKI noch einmal diesen Befund.

Nach der vorläufigen Milzbrand-Entwarnung hat Thüringens Gesundheitsminister Frank-Michael Pietzsch (CDU) Mängel beim Zeitablauf eingeräumt. "Beim nächsten Mal muss es schneller gehen", sagte Ministeriumssprecher Thomas Schulz. "Wir werden alle Abläufe selbstkritisch prüfen."

Geburtstagspakete lösten Alarm aus

Noch am Freitagabend stellte sich ein 30-jähriger Mann aus Neumünster den Ermittlungsbehörden und erklärte, er habe insgesamt 30 Pakete aus Anlass seines Geburtstags in der Stadt verteilt. Von Milzbrand habe er nichts gewusst. Mittlerweile fanden die Ermittler auch die noch fehlenden neun Pakete. In allen befand sich nach den bisherigen Ermittlungen Gips.

Der Tatverdächtige habe sich mit seinem Anwalt bei den Ermittlern gemeldet, sagte ein Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft. Gegen den Mann werde jetzt wegen des Vortäuschens einer Straftat ermittelt.

Bei ersten Tests waren sowohl in dem Brief aus Thüringen als auch in den Paketen aus Schleswig-Holstein vermeintliche Milzbrand-Erreger festgestellt worden. Nach Angaben des Präsidenten des Robert-Koch- Instituts, Reinhard Kurth, sind solche falschen Vorbefunde nicht ungewöhnlich, da nicht alle Testverfahren hundertprozentig sicher seien. So hätten die verdächtigen Postsendungen Anthrax-verwandte Bakterien enthalten, die aber unbedenklich seien und häufiger in der normalen Umwelt vorkämen. Dies hätten aber erst die genaueren genetischen Tests zeigen können. "Briefe sind nie steril, Pakete auch nicht."

Gesundheitsministerin Schmidt kündigte an, dass das Bundeskriminalamt und die Landeskriminalämter die Absender der Briefe verfolgen würden. Das Vortäuschen von Anschlägen sei strafbar. "Das sind keine Scherze mehr."

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