Agrarministerin Klöckner wegen Nestlé-Video in der Kritik

In einem Video mit einem Nestlé-Manager äußert sich Agrarministerin Julia Klöckner lobend über das Unternehmen. Politiker von SPD und Grünen attackieren sie dafür. Die CDU-Vizechefin nennt sie "Hatespeaker".

In der Kritik: CDU-Vizechefin Julia Klöckner
Christoph Soeder/ DPA

In der Kritik: CDU-Vizechefin Julia Klöckner


Es gibt Ärger für Julia Klöckner wegen eines Videos: Ihr Landwirtschaftsministerium hatte am Montag eine kurze Aufnahme veröffentlicht, in der die CDU-Vizechefin mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch vor der Kamera steht und das umstrittene Unternehmen dafür würdigt, dass es den Zucker-, Salz und Fettgehalt seiner Lebensmittel reduziert habe.

Jetzt wird Klöckner dafür von allen Seiten kritisiert: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf der Ministerin vor, sie habe ein "Werbevideo" für Nestlé gedreht, der SPD-Bundestagabgeordnete Karl Lauterbach bezeichnete den Vorgang als "peinlich, ja bitter".

Lauterbach schrieb auf Twitter: "Klöckner lässt sich von Nestlé Lobbyisten erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln und tritt dann bei PR-Event von Nestlé auf." Auch viele andere Twitter-User empörten sich: Die Landwirtschaftsministerin lasse sich von dem Lebensmittelkonzern für PR-Zwecke ausnutzen.

Klöckner verteidigte hingegen ihr Vorgehen und bezeichnete die Kritiker als "Hatespeaker". Das Ministerium äußerte zwar Verständnis für die Kritik, steht aber weiter zu dem Treffen mit dem Nestlé-Chef. "Politik heißt, im Gespräch zu bleiben", twitterte das Ministerium.

Nestlé werden wie anderen großen Konzernen immer wieder fragwürdige Geschäfte vorgeworfen. 2010 prangerte die Umweltschutzorganisation Greenpeace an, dass das Unternehmen mit der Verwendung von Palmöl zum Anlegen der Plantagen und der Zerstörung von Regenwald beitrage. Nestlé hat versprochen, bis 2020 nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu nutzen.

Im Dokumentarfilm "Bottled Life" wurde Nestlé 2012 vorgeworfen, in Weltregionen, die unter Dürre leiden, Geschäfte mit Grundwasser zu machen, das gereinigt und in Plastikflaschen teuer verkauft wird. In Pakistan sei das Unternehmen für die Austrocknung einer Region mit verantwortlich.

Das Unternehmen sagt, der Film zeige ein verzerrtes Bild und manipuliere die Zuschauer. Nestlé habe in der Region Lahore in Pakistan nur zwei Tiefbrunnen, während dort 680.000 Brunnen für die Bewässerung der Landwirtschaft sowie Industrie und die kommunale Wasserversorgung genutzt würden.

als/dpa



insgesamt 90 Beiträge
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politician 05.06.2019
1. Die Lösung ist raus aus Twitter
...... liebe Frau Klöckner. Ich hätte gerne mal gewusst, wieviel Regierungszeit und Oppositionszeit mit der permanenten Beschäftigung mit Twitter und anderen sozialen Medien täglich vergeudet wird. Jeder Meldung ständig hinterherzulaufen ist eine Zeitverschwendung für Sie, Herrn Lauterbach und Frau Göring-Eckart. Investieren Sie alle bitte Ihre Zeit und Nerven für gute und zügige Regierungs- und Oppositionsarbeit. Schalten Sie einfach diesen Mist ab. Kein Mensch ausser Wichtigtuern braucht Twitter.
yvowald@freenet.de 05.06.2019
2. Wessen Interessen vertritt Frau Klöckner?
Frage: Vertritt Frau Klöckner wirklich unsere Interessen, die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher? Oder stützt sie stattdessen die Ziele und das Machtstreben der Großagrarier und der industriellen Landwirtschaft? Falls Frau Klöckner unsere Verbraucherinnen- und Verbraucherinteressen eher geringschätzt, sollte man ihr den Rücktritt nahelegen. Die industrielle Landwirtschaft braucht keine "Fürsprecher", im Gegenteil sollten deren Absichten immer wieder offen gelegt und kritisiert werden.
geotie1 05.06.2019
3.
Kann es sein, dass Nestle der Partei Geld offen oder versteckt gespendet hat? Denn umsonst sollte man als Ministerin nicht für eine international auftretende Firma wie Nestle! Falls sie dann doch kein Geld genommen hatte, dann ist das aber auch sehr dumm!
Deeds447 05.06.2019
4. Ein Fettnäpchen nach dem anderen trotz Sommerloch
Ganz ohne Not nun noch kurz vor dem Ende stellen die etwas weniger im Rampenlicht stehenden Minister der GroKo immer wieder ihr fehlendes Feingefühl unter Beweis. Nestlé ist wie Unilever oder Bayer eins der negativsten Beispiele für Nahrungsmittelindustrie. Eigentlich schon ein schwarzes Schaf. Diesmal war aber nicht mal ein Lebensmittelskandal nötig, damit sich die Öffentlichkeit daran erinnert.
Erika.Mustermann@spon.de 05.06.2019
5.
Ich verstehe die Aufregung nicht. Wer das Verhalten der Dame in Rheinland-Pfalz in den letzten 10-15 Jahren miterlebt hat (Stichwort "Ich habe es doch vorher besser gewusst"), ihren Zick-Zack-Kurs bei der Kritik-/treuen Unterstützung Merkels und schließlich ihre Lobby-Arbeit im Amt - der hat keinerlei andere Erwartungen.
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