Instagram-Skandal Ministerium entschuldigt sich für Hakenkreuz-Posting

Nach der Aufregung um eine Uniform mit Hakenkreuzen auf dem Instagram-Account der Bundeswehr entschuldigt sich das Verteidigungsministerium ausdrücklich. Einen politischen Hintergrund sieht es aber nicht.

Annegret Kramp-Karrenbauers Ministerium entschuldigte sich in aller Form für den Instagram-Post
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Annegret Kramp-Karrenbauers Ministerium entschuldigte sich in aller Form für den Instagram-Post


Die Bundeswehr hat sich am Mittwoch für das Foto einer Wehrmachtsuniform mit deutlich sichtbaren Hakenkreuzen auf ihrem offiziellen Instagram-Account ungewöhnlich deutlich entschuldigt.

An der Uniform waren unter anderem zwei Eiserne Kreuze mit Hakenkreuzen angebracht, wie auf dem Foto zu sehen ist, das am Dienstag in einer Instagram-Story aufgetaucht war. Nachdem die "Bild"-Zeitung darüber berichtet hatte, wurde das Foto umgehend gelöscht.

"Inakzeptabler Fehler"

Das Posting war mehr als geschmacklos. So hatte ein Mitarbeiter der Redaktion von "BundeswehrInfo", der den Instagram-Account der Truppe betreut, das Bild auch noch betitelt. "Auch Mode ist ein Aspekt. Bis heute halten sich militärische Stilelemente in der Haute Couture", textete er als Bildunterschrift.

Das Ministerium reagierte gereizt. Ohne eine Nachfrage berichtete Annegret Kramp-Karrenbauers Sprecher Christian Thiels am Mittwoch in der Regierungspressekonferenz von einem "inakzeptablen Fehler", für den sich sein Haus "in aller Form" entschuldigen müsse.

Für seine Chefin Kramp-Karrenbauer mühte sich Thiels um Schadenbegrenzung. Er selbst habe mit dem Mitarbeiter gesprochen und ihn zurechtgewiesen. Ziemlich defensiv räumte er ein, der Vorfall habe dem Ansehen der Bundeswehr Schaden zugefügt hat, zu Recht habe das Posting zu "erheblichen Irritationen" gesorgt, das sehe auch die Ministerin so.

Wie es zu dem Posting gekommen war, wurde durch Thiels lange Erklärungen allerdings nicht ganz klar. Nach Darstellung des Ministeriums hatte die Redaktion der Bundeswehr im Militärhistorischen Museum in Dresden eine Fotoserie aufgenommen und dabei auch die Uniform, es handelt es sich um eine Requisite aus dem Nazi-Thriller "Walküre", fotografiert.

Screenshot des gelöschten Instagram-Posts
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Screenshot des gelöschten Instagram-Posts

Warum der zivile Mitarbeiter das Bild mit den deutlich sichtbaren Hakenkreuzen in die Instagram-Story einfügte und auch noch mit einem zynischen Kommentar versah, kann sich auch Thiels nicht erklären. So handele es sich um "einen extrem ärgerlichen Fall von Gedankenlosigkeit", sagte er, einen politischen Hintergrund bei dem Mitarbeiter aber könne man "nach jetzigem Stand" ausschließen.

Demnach habe sich der Mitarbeiter ausdrücklich entschuldigt. Angeblich habe er die Bildunterschrift versehentlich unter das Bild der Wehrmachtsuniform gestellt, sie sei für ein anderes Bild aus der Story gedacht gewesen. "Da hätte man eine Minute länger drüber nachdenken müssen", sagte Thiels.

Vier-Augen-Prinzip soll eingeführt werden

Die Gedankenlosigkeit überrascht, denn erst vor zwei Jahren hatte es eine heftige Debatte um die Frage gegeben, wie die Bundeswehr mit Wehrmachtsdevotionalien umgeht. Rigoros hatte Ursula von der Leyen am Ende beschlossen, alle Wehrmachtssymbole aus Kasernen zu verbannen, auch ein Bild von Altkanzler Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform musste abgehängt werden.

Das Ministerium hat sich nun vorgenommen, den Instagram-Account des Ministeriums besser zu kontrollieren, konkret soll in Zukunft ein "Vier-Augen-Prinzip" vor der Veröffentlichung von Postings eingeführt werden.

Ob die Aufregung mit der Entschuldigung abklingt, ist noch nicht abzusehen. So forderte der FDP-Verteidigungspolitiker Marcus Faber weitere Konsequenzen. "Wer so geschichtsvergessen ist, darf nicht für unsere Bundeswehr posten. Statt sich in Flugzeugträgerfantasien zu verlieren, sollte die Ministerin sich besser um ihr Haus kümmern", sagte Faber in der "Bild"-Zeitung.

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mgb/kev



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