Minutenprotokoll So lief Guttenbergs Rücktritt

4. Teil: Guttenberg tritt zurück


+++ Stille im Raum nach Guttenbergs Abgang +++

[11.28 Uhr] Eine Reporterin von n-tv, die den Auftritt Guttenbergs im Verteidigungsministerium verfolgt hat, sagte, man könne ihm ansehen, wie schwer ihm der Schritt gefallen sei. Unter den Zuhörern sei es bei seiner kurzen Ansprache sehr, sehr still gewesen.

+++ "Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht" +++

[11.24 Uhr] Der einstige Shootingstar der Union schließt sein Statement mit den Worten. "Abschließend ein Satz, der für einen Politiker ungewöhnlich klingen mag: Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."

+++ "Ich danke der Kanzlerin" +++

[11.23 Uhr] Guttenberg dankt Kanzlerin Angela Merkel für ihren Rat und Beistand, ebenso etlichen Kollegen aus der Union. Er werde sich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit beteiligen. "Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können."

+++ Guttenberg kritisiert "mediale Betrachtung" +++

[11.22 Uhr] Guttenberg räumt ein, selbst seinen Beitrag zu der großen medialen Aufmerksamkeit um seine Person geleistet zu haben. "Die öffentliche und mediale Betrachtung dreht sich nur noch um die Person Guttenberg und meine Dissertation", sagt er. "Der Tod und die Verwundung von Soldaten sind in den Hintergrund gerückt." Das sei eine "dramatische Verschiebung".

+++ Guttenberg erklärt späten Rückzug +++

[11.20 Uhr] Seit zwei Wochen schon fordern Kritiker den Rückzug Guttenbergs. Dazu sagt er: "Manch einer mag fragen, warum dieser Schritt erst jetzt erfolgt. Niemand wird das Amt freiwillig aufgeben wollen, an dem das Herz hängt. Es gehört sich, ein halbwegs geordnetes Haus zu hinterlassen." Das "Konzept der Reform steht", sagt er.

+++ "Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens" +++

[11.18 Uhr] "Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagte Guttenberg bei seiner Stellungnahme zu seinem Rücktritt, die per Telefon im Sender n-tv übertragen wurde. Für eine Liveübertragung per Kamera war die Ankündigung offenbar zu plötzlich gekommen. "Ich gehe ihn nicht nur wegen der Diskussion über meine Doktorarbeit, sondern auch wegen der Frage, ob ich die Ansprüche , die ich selbst an mich stelle, noch erfüllen kann."

+++ Guttenberg verkündet seinen Rücktritt +++

[11.16 Uhr] Karl-Theodor zu Guttenberg verkündet vor der versammelten Hauptstadt-Presse seinen Rückzug von allen politischen Ämtern, also auch vom Amt des Verteidigungsministers. Er habe Kanzlerin Angela Merkel darüber informiert, sagte der CSU-Politiker. Er habe politischen Schaden abwenden wollen.

+++ +++ Kurze Extra-"Tagesschau", dann "Für immer 30" +++

[10.59 Uhr] Die ARD meldet den bevorstehenden Rücktritt Guttenbergs in einer Sonderausgabe der "Tagesschau", geht dann aber zur Tagesordnung über. Während der angekündigten Erklärung Guttenbergs, die allerdings kein Sender live zeigen konnte, stellen die Nachrichtensender n-tv und N24 ihr Programm um - die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD ("Für immer 30") und ZDF ("Lena - Liebe meines Lebens") bleiben zunächst bei ihrer regulären Planung. Erst ab 11.25 Uhr bringt die ARD eine ausführliche Sondersendung zum Thema des Tages.

+++ Guttenberg hielt angeblich den Druck nicht mehr aus +++

[10.43 Uhr] Aus Guttenbergs Umfeld erfährt SPIEGEL ONLINE, dass der Christsoziale den Druck nicht mehr ausgehalten habe. Er habe sich bereits am Montag entschlossen abzutreten.

+++ Merkel bleibt auf der Cebit in Hannover +++

[10.40 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel soll vorab von den Rücktrittsplänen ihres Ministers informiert worden sein. Sie hält sich derzeit auf der Computermesse Cebit in Hannover auf und beendet ihren Rundgang dort. Sie habe, berichten Beobachter, zwischendurch den Rundgang unterbrochen und längere Zeit telefoniert.

+++ Erklärung für 11.15 Uhr angekündigt +++

[10.37 Uhr] Das Verteidigungsministerium äußert sich nicht zu den Rücktrittsberichten. Es sei aber eine Stellungnahme Guttenbergs um 11.15 Uhr angesetzt.

+++ "Bild"-Zeitung meldet bevorstehenden Rücktritt Guttenbergs +++

[10.29 Uhr] Die "Bild"-Zeitung, die Guttenbergs Plagiatsaffäre bisher weitgehend wohlwollend begleitet hatte, meldet, der Verteidigungsminister werde noch am Dienstag zurücktreten.

ffr/ler/amz/mgb/sev/dpa/dapd/Reuters/AFP



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Seite 1
yubi 01.03.2011
1.
Zitat von sysopKarl-Theodor zu Guttenberg ist von seinem Amt als Verteidigungsministers zurücktgetreten. Wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit war der CSU-Mann auch in der Union erheblich unter Druck geraten. Ein Rücktritt, noch zur rechten Zeit?
nein, viel zu spät. Nach diesem längeren Klammern ans Ministeramt, dem Abwiegeln, dem Winden ist irreparabler Schaden entstanden. Das wird ihn möglicherweise nicht abhalten, dem Beispiel F.J.Strauss zu folgen und nach einer "Anstandsfrist" auf die Vergesslichkeit der Bevölkerung zu hoffen und ein ComeBack zu versuchen.
Habenichts, 01.03.2011
2. Er hat großen Schaden angerichtet!
Zitat von sysopKarl-Theodor zu Guttenberg ist von seinem Amt als Verteidigungsministers zurücktgetreten. Wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit war der CSU-Mann auch in der Union erheblich unter Druck geraten. Ein Rücktritt, noch zur rechten Zeit?
Eindeutig nein! Dieser Schritt war längst fällig! Das Verhalten des Herrn zu Guttenberg schadet dem bürgerlichen Wertesystem unserer Gesellschaft! Auch die Kanzlerin ist beschädigt! Ihm gelang es viele menschen zu blenden!
Kurt G, 01.03.2011
3. spät
Zitat von yubinein, viel zu spät. Nach diesem längeren Klammern ans Ministeramt, dem Abwiegeln, dem Winden ist irreparabler Schaden entstanden. Das wird ihn möglicherweise nicht abhalten, dem Beispiel F.J.Strauss zu folgen und nach einer "Anstandsfrist" auf die Vergesslichkeit der Bevölkerung zu hoffen und ein ComeBack zu versuchen.
Bei einem früheren Rücktritt wäre dies einfacher gewesen.
panda 01.03.2011
4.
Zitat von sysopKarl-Theodor zu Guttenberg ist von seinem Amt als Verteidigungsministers zurücktgetreten. Wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit war der CSU-Mann auch in der Union erheblich unter Druck geraten. Ein Rücktritt, noch zur rechten Zeit?
Ob er jemals noch eine Chance in der Politik erhält, kommt wohl auf seine Begründung an. Wenn er wieder Ausflüchte sucht, seine Angelegenheit verniedlicht und die Schuld bei anderen sucht, dann wird Guttenberg politisch wohl erledigt sein. Wichtig ist, dass Guttenberg selbst zurücktritt - eine Entlassung durch Fr. Merkel hätte ihn in bestimmten Kreisen auch noch zum Märtyrer gemacht. Ein Positives hat das Ganze, Guttenberg sei Dank. Es wird endlich wieder über Werte in unserer Gesellschaft diskutiert. Der ganze Vorfall könnte der Beginn eines fortlaufenden urdemokratischen Selbstreinigungsprozesses sein. Die Bürger haben Mittel und Wege gefunden Blender und Betrüger aufzudecken. Zu beackernde Felder gäbe es, nicht nur in der Politik, mehr als genug - man denke nur an die Bankenbonilandschaft oder an die maßlosen Selbstbedienungen von Vorständen in Aktiengesellschaften. Mit dem gerne verwendeten Begriff Leistung hat die horrende Bezahlung oft gar nichts mehr zu tun. Man kann nur hoffen, dass die Bürger auch hier endlich geeignete Mittel und Wege finden. Mein Fazit: Der Fall Guttenberg hat mitten ins Schwarze getroffen. Die Gesellschaft kann davon nur profitieren.
ogg00 01.03.2011
5. Endlich!!!
Zitat von yubinein, viel zu spät. Nach diesem längeren Klammern ans Ministeramt, dem Abwiegeln, dem Winden ist irreparabler Schaden entstanden. Das wird ihn möglicherweise nicht abhalten, dem Beispiel F.J.Strauss zu folgen und nach einer "Anstandsfrist" auf die Vergesslichkeit der Bevölkerung zu hoffen und ein ComeBack zu versuchen.
Das finde ich aber legitim. Dann kann der Wähler ja entscheiden, ob er lieber auf Gel als auf Ehrlichkeit setzen möchte. Ansonsten kann ich das Glück ja kaum fassen, aber warten wir ab.
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