Missbrauchsfall Lügde NRW-Innenminister Reul kritisiert die Polizei

Der Missbrauchsfall in Lügde hat schweres Polizeiversagen offenbart. NRW-Innenminister Reul kritisiert im SPIEGEL die Arbeit der Beamten - und attestiert der Polizei "Nachholbedarf in Sachen Fehlerkultur".

Herbert Reul
Federico Gambarini/ DPA

Herbert Reul

Von und Annette Großbongardt


Als Konsequenz aus den Ermittlungspannen im Missbrauchsfall von Lügde will der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) den Campingplatz komplett absuchen lassen. "Das ist ein großes Gelände, wir werden es uns weiter genau ansehen und die Menschen dort befragen",sagt Reul in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. Es sei "nicht ausgeschlossen, dass es da noch einen Fall gibt, ein Opfer, das sich noch nicht gemeldet hat. Oder dass der Beschuldigte andere Verstecke hatte".

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Vor zwei Wochen wurde auf dem Campingplatz in Lügde die Behausung des Hauptbeschuldigten Andreas V. abgerissen. Dabei tauchten CDs und VHS-Kassetten auf, die die Polizei übersehen hatte.

Zudem entdeckte die Abrissfirma einen Schuppen von V., den die Polizei nie durchsucht hatte. "Das hat mich geärgert, der hätte den Beamten auffallen müssen", sagt Reul. Es gehe nun darum, Vertrauen zurückzugewinnen: "Dafür brauchen wir einen offenen Umgang mit dem, was schiefläuft. Es gibt bei der Polizei Nachholbedarf in Sachen Fehlerkultur."

Auch eigene Fehler gesteht der Innenminister inzwischen ein. Weil die zunächst zuständige Polizeibehörde in Lippe mit den Ermittlungen offenbar überfordert war, übertrug das Ministerium Ende Januar die Ermittlungen der Polizei Bielefeld. "Mit dem Wissen von heute würde man den Fall schneller übergeben", sagt Reul.

Auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde sollen mehrere Männer über Jahre mindestens 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der Prozess gegen die Beschuldigten wird voraussichtlich im Juni beginnen.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
schwabenmaul 26.04.2019
1. Beamte können Fehler machen soviel sie wollen...
es gibt keine spürbaren Konsequenzen.Leider. Schwabenmaul
TS_Alien 26.04.2019
2.
Nach meinen Erfahrungen gibt die Polizei nur Fehler zu, die nicht mehr abgestritten oder vertuscht werden können. Alle anderen Fehler werden bestritten, mit abwegigen Erklärungen verharmlost oder durch Lügen aus der Welt geschafft. Das Wort Fehlerkultur kennt die Polizei nicht.
jonath2010 26.04.2019
3. Nichts für die Öffentlichkeit
Schon mal was von Fürsorgepflicht gegenüber den eigenen Beamten gehört, Herr Reul? Nicht gerade die feine Art, als oberster Dienstherr in aller Öffentlichkeit auf die eigenen Leute einzuprügeln. Das hätte man auch in internen Dienstbesprechungen erledigen können. Notfalls gibt es das beamtenrechtliche Instrument des Disziplinarverfahrens. Aber, wie gesagt, das geht die Öffentlichkeit nichts an.
joana2 26.04.2019
4.
Zitat von jonath2010Schon mal was von Fürsorgepflicht gegenüber den eigenen Beamten gehört, Herr Reul? Nicht gerade die feine Art, als oberster Dienstherr in aller Öffentlichkeit auf die eigenen Leute einzuprügeln. Das hätte man auch in internen Dienstbesprechungen erledigen können. Notfalls gibt es das beamtenrechtliche Instrument des Disziplinarverfahrens. Aber, wie gesagt, das geht die Öffentlichkeit nichts an.
Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Die Polizei ist ein öffentlicher Dienst und kein Privatverein, bei dem man so etwas bei internen Besprechungen regeln kann. Das ist ja auch keine interne Angelegenheit und die Sache hat so unglaubliche Ausmaße angenommen, da müssen ernsthafte Konsequenzen für die Verantwortlichen folgen. Diese Leute müssen entlassen werden, sie sind absolut ungeeignet für den Polizeidienst. Es ist gut, dass der Innenminister sich nicht schützend vor diese Leute stellt, sonst wäre er auch nicht mehr glaubwürdig.
markus.meiners 26.04.2019
5. Zurücktreten!
Spätestens seit der Aussage von Herrn Reul, Gerichte sollten bei Urteilen das Rechtsempfinden der Bürger berücksichtigen, ist dieser Mann eines Innenministers nicht mehr würdig. Jetzt fällt er seinen eigenen Untergebenen in den Rücken... traurige Gestalt!
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