Mittelstand Green Card ja, aber ...

Soviel Zustimmung fand ein sozialdemokratischer Bundeskanzler selten beim deutschen Mittelstand wie jetzt Gerhard Schröder. Laut einer Umfrage sind 60 Prozent der Mittelstands-Chefs für die Green-Card-Lösung. Vielen geht die Initiative allerdings nicht weit genug.


Köln - Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Impulse" bei 500 Unternehmen halten 60 Prozent den Vorstoß für eine gute Idee, um den Mangel an Fachkräften abzubauen. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) plädierte aber dafür, nicht nur ausländischen Computerspezialisten den Zugang nach Deutschland zu erleichtern, sondern auch Fachkräften aus anderen Branchen. So könne das Gastgewerbe 70.000 Stellen nicht besetzen.

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte in der Mainzer "Allgemeinen Zeitung", die Zuwanderungspolitik solle sich endlich an den Interessen Deutschlands ausrichten. "Wir müssen einerseits im Interesse unserer Arbeitsplätze die klügsten Köpfe nach Deutschland holen, an anderer Stelle muss dagegen die Zuwanderung begrenzt und gesteuert werden." In der Forsa-Umfrage gab fast jeder dritte Unternehmer (31 Prozent) an, Stellen für Fachkräfte nicht besetzen zu können. Jeder zweite Firmenchef, der Personal sucht, würde selbst die Green Card nutzen.

Die Anwerbung ausländischer Computerexperten nutzt nach der Analyse von Fachleuten auch den Herkunftsländern wie etwa Indien und schadet ihnen zumindest nicht. Das ist ein Zwischenergebnis einer vom Bundesentwicklungsministerium in Auftrag gegebenen Studie, wie ein Sprecher des Ministeriums in Berlin bestätigte. Es gebe nur Gewinner und keine Verlierer. Die Studie sei jedoch noch nicht abgeschlossen.

Zur Integration der Zuwanderer sind nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Arbeits- und Sozialministerin Ilse Brusis (SPD) Sprachkurse besonders wichtig. Bei der Vorstellung eines Zuwanderungsberichts sagte sie in Düsseldorf, Lehrer aus Stadtteilen mit hohem Zuwandereranteil berichteten, die Deutschkenntnisse der Schüler hätten sich verschlechtert. Deshalb solle der Sprachunterricht für jugendliche Zuwanderer verstärkt werden. Es habe aber auch Fortschritte bei der Eingliederung gegeben. So sei der Anteil ausländischer Kinder in den Kindergärten seit 1993 von 11,6 auf 14,8 Prozent gestiegen. Dies erhöhe die Integrationschancen.



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