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12. Juni 2013, 09:55 Uhr

Schwarz-gelbe Siegeschance

Merkels Minus-Mannschaft

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Als "B-Elf" verspottet die CDU Peer Steinbrücks Kompetenzteam. Dabei sollte man sich in der Koalition lieber zurückhalten. Gewinnt Schwarz-Gelb im Herbst die Wahl, wird sich schnell zeigen: Die Personaldecke ist dünn. So könnte Angela Merkels nächste Ministerriege aussehen.

Berlin - Nochmal vier Jahre Schwarz-Gelb?! Vor ein paar Monaten hätte sich das kaum jemand vorstellen können, so ärmlich war die Vorstellung dieser Koalition über weite Strecken dieser Wahlperiode. Doch inzwischen, so sagen es die Umfragen, scheint die Neuauflage des bürgerlichen Bündnisses möglich.

Manch einer mag sich da gehörig erschrecken - und vielleicht darauf setzen, dass Angela Merkel wenigstens ihre glanzlose Truppe neu aufstellt. Doch viel Hoffnung gibt es nicht. Denn der Blick aufs aktuelle und potentielle Spitzenpersonal der christlich-liberalen Regierung verrät: Wenn die Koalitionäre Peer Steinbrücks SPD-Kompetenzteam als "B-Elf" verspotten, dann lehnen sie sich ziemlich weit aus dem Fenster. Denn echte Leistungsträger sind auch im Kabinett von Union und FDP rar. Und vielversprechende Talente sind genauso wenig in Sicht.

Schon jetzt wirkt Merkels Ministerriege wie das letzte Aufgebot. Acht Posten musste die Kanzlerin in dreieinhalb Jahren neu besetzen, als letzte räumte die stille Arbeiterin Annette Schavan das Bildungsministerium. Gerade hat Merkels loyaler Kanzleramtsstaatsminister Eckart von Klaeden seinen Wechsel in die Wirtschaft angekündigt. Und mit Thomas de Maizière, bis dato die Verkörperung von Solidität und Verlässlichkeit, steht nun sogar ihr bester Mann wegen des Drohnen-Debakels unter Druck. Wer bleibt da noch als Stütze im Kabinett?

Und wer drängt sich aus dem Hintergrund auf, um in die erste Reihe zu treten? Die starken Landesfürsten der Union sind Vergangenheit, Norbert Röttgen hat das Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen erst einmal weggespült, Niedersachsens Ex-Ministerpräsident David McAllister macht nach seiner Wahlschlappe wohl einen Umweg über Europa. Und ambitionierte Aufsteiger wie die CDU-Bundesvizes Julia Klöckner (Rheinland-Pfalz), Armin Laschet (NRW) oder Thomas Strobl (Baden-Württemberg) sind in ihren Landesverbänden gebunden.

Keine schönen Aussichten für einen schwarz-gelben Relaunch in Berlin. Wie aber könnte der aussehen, sollten Union und FDP im Herbst erneut die Mehrheit holen?

Wir blicken in Merkels Schattenkabinett - wer bleibt, wer geht, wer kommt:

Mitarbeit: Severin Weiland

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