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Markus Feldenkirchen

Die Schwammigkeit des Kandidaten Laschet Mönchengladbach als Chance sehen

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Große Aufregung um eine plagiierte Stelle in einem alten Buch von Armin Laschet. Dabei ist etwas anderes viel relevanter und ärgerlicher: Die Penetranz, mit der der Kandidat klare Positionen vermeidet.
aus DER SPIEGEL 31/2021
Kanzlerkandidat Laschet

Kanzlerkandidat Laschet

Foto: Tobias Schwarz / AP

Irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Sprache um den Begriff »Scholzomat« bereichert. Er bezog sich auf den damals schon nicht ganz jungen SPD-Politiker Olaf Scholz, der ebenso stur wie routiniert nur jene Sätze ausspuckte, die er unbedingt loswerden wollte, völlig losgelöst davon, was er tatsächlich gefragt wurde.

Damals war Scholz Generalsekretär seiner Partei, der Bundeskanzler wurde von der SPD gestellt (kein Witz), der »Burger Dance« von DJ Ötzi stand ganz oben in den deutschen Musikcharts und der Fußballnationaltrainer hieß Rudi Völler. Der Scholzomat aber funktioniert noch heute wie eh und je. Auch in diesem Bundestagswahlkampf rattert das inzwischen zum Oldtimer gereifte Modell zuverlässig vor sich hin.

Aus: DER SPIEGEL 31/2021

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Von einem Baerbockomat ist bislang nicht die Rede. Gäbe es ihn, würde er vermutlich die schönsten Versatzstücke aus Zeitungsreportagen, wissenschaftlichen Arbeiten und Robert-Habeck-Büchern zu durchaus inhaltsreichen, aber nicht sonderlich originellen Sätzen kombinieren.

Was es seit der vergangenen Woche aber tatsächlich gibt, ist ein Laschomat. Dabei handelt es sich um eine Internetseite, auf der zu jedem Themenbereich wunderschön klingende, aber völlig nichtssagende Aussagen generiert werden können, denen gemeinsam ist, dass sie schwer nach Armin Laschet klingen. Ein Beispiel: Liegt Ihnen wie mir der Fußballverein Borussia Mönchengladbach am Herzen, spuckt der Laschomat folgende Sätze aus: »Wir müssen Borussia Mönchengladbach als Chance sehen und nicht als Bedrohung. Aber die Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen. Gemeinsam wollen wir ein modernes Deutschland, das zusammenhält.«

Seit einem Jahr unternimmt Laschet alles, um sicherzustellen, dass er nicht Kanzler wird.

Da kann man als Fan der einzig wahren Borussia nicht meckern. Zugleich werden aber auch die Fans aller anderen Vereine nicht vor den Kopf gestoßen. Bei Themen wie Klimaschutz, Migration oder Verkehrswende funktioniert es genauso. Der Laschomat bringt die konsequente Positionsverweigerung seines Namensgebers auf den Punkt.

Sollte das Land ab Herbst von Armin Laschet regiert werden, kann man Laschet selbst keinerlei Vorwurf machen. Seit über einem Jahr unternimmt er quasi alles, um sicherzustellen, dass es nicht so kommt. Er hat fast jedes Fettnäpfchen zielsicher mitgenommen und gleichzeitig keinerlei Plan für eine bessere Gesellschaft vorgelegt, zumindest keinen annähernd konkreten. Aber: Wer alles im Nebel lässt, erregt eben auch kaum Gegenwehr, außer vielleicht von Bürgern, die eine Überdosis an Ungefährem aggressiv macht. Aber das sind offenkundig nicht allzu viele Wähler in Deutschland. Und dieses Problem lässt sich tatsächlich nicht von heute auf morgen lösen.

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