Montagemängel Dübel legen AKW Biblis lahm

Weil möglicherweise Tausende Dübel zur Befestigung von Rohrleitungen falsch montiert wurden, droht dem Atomkraftwerk Biblis ein wochenlanger Totalausfall. Die Erdbebensicherheit ist nicht gewährleistet. Auch andere Meiler werden nun überprüft.


Essen/Wiesbaden - Eine Routineüberprüfung brachte die Montagemängel zu Tage. Bei einer Generalüberholung des Kernkraftwerkblocks Biblis A waren nach Angaben des hessischen Umweltministeriums bei Stichproben mehrere falsch montierte Dübel aufgefallen. Daraufhin habe das Umweltministerium angeordnet, alle Dübel in beiden Kraftwerken auf eventuelle Montagefehler zu überprüfen. Diese Prüfung könne mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

AKW Biblis: Falsche Dübel sorgen für Abschaltung
DPA

AKW Biblis: Falsche Dübel sorgen für Abschaltung

Wie die Betreiberfirma RWE heute in Essen mitteilte, müssen in den beiden Kraftwerksblöcken zwischen 3500 und 4000 Spezialdübel überprüft werden, mit denen Rohrleitungen erdbebensicher aufgehängt sind. Biblis B war wegen der Montagefehler gestern Abend außerplanmäßig abgeschaltet worden. Block A ist bereits seit dem 15. September wegen der Generalüberholung vom Netz.

Wie lange der anschließende Austausch der falsch montierten Dübel dauern werde, sei noch nicht abzusehen, sagte ein Sprecher des Landesumweltministeriums. Im Zuge des vereinbarten Atomausstiegs sollte Biblis A im kommenden Jahr, Biblis B im Jahr 2009 stillgelegt werden. Der Betreiber RWE stellte allerdings Ende September den formellen Antrag, den Reaktor Biblis A länger als geplant nutzen zu dürfen.

Auch RWE-Sprecher Lothar Lambertz sagte, es sei derzeit nicht abzusehen, wann die Kraftwerke wieder angefahren werden könnten. Alle übrigen deutschen Kraftwerksbetreiber seien auf das Problem hingewiesen worden: "Da laufen jetzt Überprüfungen." Die fraglichen Dübel seien in unterschiedlichen Industriebauten in Deutschland eingesetzt worden. In Biblis seien sie von einer Fremdfirma montiert worden.

Nach Angaben des hessischen Umweltministeriums handelt es sich um Schwerlastdübel mit einer Länge von 30 Zentimetern und einem Durchmesser von ein bis zwei Zentimetern. Durch das auf den Dübeln basierende Aufhängesystem sollen wichtige Rohrleitungen im Kraftwerk vor starken Erschütterungen geschützt werden, wie sie bei Erdbeben, aber auch beim Abfahren eines Kraftwerksblocks auftreten würden.

Der hessische SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Schmitt sagte, der Vorfall zeige erneut, dass das Atomkraftwerk Biblis ein Erdbebenproblem habe. In der Anlage herrsche ein gewaltiger Nachrüstungsbedarf. Die Grünen-Umweltpolitikerin Ursula Hamann sagte, der nun bekannt gewordene Fall mache deutlich, dass es keine hundertprozentige Sicherheit in Atomkraftwerken gebe. Biblis A und B hätten sich wieder einmal als besonders störanfällige Reaktoren erwiesen.

phw/AP



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