"Montblanc"-Affäre Luxusfüller-Lieferant des Bundestags insolvent

Jahrelang versorgte die Berliner Firma bürofa den Bundestag mit teils luxuriösen Schreibwaren - nun droht dem Unternehmen nach SPIEGEL-Informationen das Aus.

Plenarsaal des Bundestages
DPA

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Der langjährige Büromittellieferant des Bundestags, die Berliner bürofa GmbH, steht offenbar vor der Pleite. Am 22. Juli ordnete ein Gericht die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen des Unternehmens an, das die Parlamentarier seit dem Jahr 2000 mit Druckerpatronen, Stiften und Klammern versorgt hatte.

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Heft 33/2019
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Am Dienstag informierte die Parlamentsverwaltung die Abgeordneten per Rundmail, dass ab sofort keine Zahlungen mehr an die Firma geleistet werden dürften, sondern nur noch an den vorläufigen Insolvenzverwalter.

Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit zwischen der bürofa und der Bundestagsverwaltung, die den Lieferantenvertrag 2016 wegen angeblich überhöhter Abrechnungen fristlos gekündigt hatte. Im Abschluss der Firma für 2017 ist von einem Rechtsstreit gegen die Firma mit einem Streitwert von 360.000 Euro die Rede.

In die Schlagzeilen gekommen war die bürofa, deren Geschäftsführer einst im Bezirksvorstand der AfD Pankow saß, durch die "Montblanc-Affäre": Auf Steuerzahlerkosten hatten zahlreiche Abgeordnete teure Füllfederhalter bei dem Unternehmen geordert.

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srö/was



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
prime 09.08.2019
1. Wie jetzt?
Bekomme ich jetzt etwa keine Super Teuren Kugelschreiber mehr für ne Mark Fuffzig? Und den Rest blecht der Steuer-Michel? Unfassbar! Tja, irgendwo muss man mit dem Sparen ja auch Anfangen, nicht Wahr? Denn wenn jeder Abgeordnete (Geldabgreifer) schon 25 Kugelschreiber und 200 Tinten-Patronen zu Hause hat, reicht es irgend wann? Ja!
icebeer 10.08.2019
2. unendlich traurig....
alles Gute verschwindet und das Leben macht spätestens jetzt keinen Sinn mehr... Ich bin dann mal weg zur Selbsthilfegruppe!
eckawol 10.08.2019
3. Weil zu spät Rechnungen bezahlt,
nicht unüblich bei der Offentlichen Hand, ist der Luxus-Lieferant insolvent. Schade, was können die Abgeordneten zum nächsten Weihnachtsfest ihren Freunden und Familienmitgliedern auf Normal-Niveau ohne Scham schenken?
Flari 10.08.2019
4.
Zitat von eckawolnicht unüblich bei der Offentlichen Hand, ist der Luxus-Lieferant insolvent. Schade, was können die Abgeordneten zum nächsten Weihnachtsfest ihren Freunden und Familienmitgliedern auf Normal-Niveau ohne Scham schenken?
Es gibt tausende Gründe, KEINE Aufträge von der Öffentlichen Hand anzunehmen, lange Zahlungsziele ist nur ein kleiner minimaler Grund. Aber für einen Lieferanten, der sich seit fast 20 Jahren auf die Belieferung der Öffentlichen Hand spezialisiert hat, kann diese bekannte(!) Zahlungsmoral in keinem Fall der Auslöser einer Insolvenz sein. Jede Bank gewährt auf öffentliche Aufträge fast grenzenlos Kredit und in der heutigen Zeit zu lächerlichen Zinsen. Etwas anderes ist natürlich der Umsatzrückgang zu werten, nachdem nicht mehr jeder Abgeordnete Edelbüroartikel auf Steuerzahlerkosten kistenweise nach hause schleppen kann. Hersteller bieten Staffelpreise an, wer eine Abnahmeverpflichtung eingeht, erhält nochmals Rabatt. Wenn nun für 10.000 Montblancfüller/a unterschrieben wurde, die 700 Abgeordneten aber nur noch 5.000/a abnehmen, hagelt es ggf. Vertragsstafen...
FrankDunkel 10.08.2019
5.
Das mit den Montblanc-Füllern ist ein alter Hut. Es wurde bereits vor 15 Jahren von Richard Rogler in seinem Kabarett-Programm "Finish" erwähnt.
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