Mord im Kleinen Tiergarten
Neue Erkenntnisse über die Tatwaffe
Zelimkhan Khangoshvili wurde in Berlin mit einem Kopfschuss getötet. Die Waffe soll der mutmaßliche Mörder in Warschau erhalten haben. Sie wurde offenbar 1996 von Österreich nach Estland verkauft.
Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort.
Foto: Christoph Soeder/ DPA
Im Fall des Mordes im Kleinen Tiergarten in Berlin gibt es neue Erkenntnisse über den Weg der Tatwaffe. Die Pistole der Marke Glock ist laut einem Ermittlungsvermerk 1996 von Österreich nach Estland verkauft worden. Auch der Lauf der Waffe ist ausgetauscht worden.
Die Ermittler gehen davon aus, dass der mutmaßliche Mörder, der unter dem Namen Vadim Sokolov in die Bundesrepublik eingereist war, die Waffe auf dem Weg nach Berlin in Warschau von Unterstützern erhalten hat. Der Russe wird dringend verdächtigt, am 23. August den Georgier Zelimkhan Khangoshvili hingerichtet zu haben. Er sitzt derzeit im Gefängnis in Berlin.
Mutmaßlicher Täter wurde im Gefängnis von russischen Diplomaten besucht
In den vergangenen Wochen haben sich die Hinweise verdichtet, dass es sich bei der Tat um einen Mord im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt haben könnte. Recherchen des SPIEGEL, der investigativen Webseiten Bellingcat und The Insider und des Londoner Dossier Centers zeigen, dass die Identität von Vadim Sokolov gefälscht ist. (Lesen Sie hier mehr über den Fall)
Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Tat von zwei russischen Diplomaten im Gefängnis besucht. Weil die Konversation auf Russisch und ohne Aufsicht stattfand, ist bis heute unklar, was die Diplomaten ihm zu sagen hatten.
Nach dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen ist diese Betreuung zwar erlaubt, eine so schnelle und intensive Reaktion gilt aber als ungewöhnlich. Wie der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll es sich bei den zwei russischen Diplomaten um konsularische Mitarbeiter ohne nachrichtendienstlichen Hintergrund handeln.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es unter Bezugnahme auf Recherchen der "Zeit", die Pistole des mutmaßlichen Mörders sei 1986 von Österreich nach Estland verkauft worden, damals eine Teilrepublik der Sowjetunion. Das ist nicht korrekt. Nach einem Ermittlungsvermerk, der dem SPIEGEL jetzt aktuell vorliegt, ist die Pistole 1996 von Österreich nach Estland verkauft worden. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.