Diplomatischer Streit nach Mord in Berlin Russland weist zwei deutsche Diplomaten aus

Der Streit zwischen Moskau und Berlin spitzt sich zu: Der Kreml reagiert auf die Vorwürfe im Tiergartenmordfall und weist zwei deutsche Diplomaten aus. Zuvor wurde offenbar der deutsche Botschafter einbestellt.
Diplomatische Krise zwischen Berlin und Moskau spitzt sich offenbar zu: Russlands Außenminister Sergej Lawrow

Diplomatische Krise zwischen Berlin und Moskau spitzt sich offenbar zu: Russlands Außenminister Sergej Lawrow

Foto: Ameer Al Mohammedaw/ DPA

Russland weist im Streit über einen mutmaßlichen Auftragsmord an einem Georgier in Berlin zwei deutsche Diplomaten aus. Die Mitarbeiter haben sieben Tage Zeit, das Land zu verlassen, wie das Außenministerium von Minister Sergej Lawrow in Moskau mitteilte.

Das Vorgehen ist eine Reaktion auf die Entscheidung der Bundesregierung in der vergangenen Woche, zwei russische Botschaftsmitarbeiter auszuweisen. Die Regierung in Berlin wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung vor.

Der deutsche Botschafter in Moskau war am Morgen ins Außenministerium einbestellt worden. Dem Botschafter wurde laut Mitteilung "entschiedener Protest im Zusammenhang mit der unbegründeten Entscheidung der Regierung der Bundesrepublik vom 4. Dezember 2019" ausgedrückt.

Auswärtiges Amt nennt Entscheidung Russlands "ungerechtfertigt"

Die Bundesregierung nehme die Entscheidung der russischen Regierung "mit Bedauern zur Kenntnis", heißt es in einer ersten Reaktion des Auswärtigen Amts. "Sie sendet das falsche Signal und ist ungerechtfertigt." Aus Sicht der Bundesregierung bleibe eine Mitwirkung der russischen Behörden an der Aufklärung des Mordes "dringend geboten". Man behalte sich weitere Schritte "im Licht der Ermittlungen" des Generalbundesanwalts vor.

Moskaus Schritt kommt jedoch nicht unerwartet: Präsident Wladimir Putin und das russische Außenministerium hatten bereits eine "spiegelgenaue" Reaktion angekündigt. Dass Russland und Deutschland zu solchen Maßnahmen greifen, ist ein seltener Schritt und steht in der Rangfolge der möglichen Eskalationsstufen weit oben.

Berlin wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung der Bluttat vor. Der 40-jährige Georgier, der in der russischen Teilrepublik Tschetschenien aufseiten der Separatisten gekämpft haben soll, war am 23. August in Berlin von hinten erschossen worden (mehr dazu lesen Sie hier).

Mutmaßlicher Täter schweigt

Der mutmaßliche Täter, ein Russe, wurde gefasst. Er sitzt seither in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Behörde hat deshalb die Ermittlungen übernommen.

Putin hat den Erschossenen als "Banditen" und "Mörder" bezeichnet und für einen Terroranschlag auf die Moskauer Metro verantwortlich gemacht.

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Den deutschen Behörden warf er vor, den Mann trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Aus der Bundesregierung hieß es, ein solches Ersuchen sei gar nicht bekannt.

Mit Deutschland gab es zuletzt im Frühjahr 2018 einen diplomatischen Konflikt, als im Streit mit dem Westen über den vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal jeweils vier Botschaftsmitglieder ausgewiesen wurden.

mho/esc/mgb/dpa/AFP/Reuters