Mord von Templin Gericht verhängt lange Haftstrafen gegen Neonazis

Sie schlugen und traten auf einen Obdachlosen ein, bis er tot war - für diese schreckliche Tat wurden zwei Neonazis nun zu langen Haftstrafen verurteilt. Die jungen Männer hätten sich aus niederen Motiven als "Herr über Leben und Tod" aufgespielt, befand das Gericht.

Neuruppin - Das Landgericht Neuruppin verurteilte die beiden Angeklagten wegen Mordes und Beihilfe zum Mord zu langen Haftstrafen. Der 19-jährige Haupttäter erhielt eine Jugendstrafe von zehn Jahren - die Höchststrafe für ein so schreckliches Geschehen, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Der 22-jährige Mitangeklagte wurde wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen zu neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Die beiden Männer hatten im vergangenen Jahr einen 55-Jährigen zu Tode geprügelt. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Das Gericht ging davon aus, dass die Angeklagten aus niederen Beweggründen handelten und sich als "Herr über Leben und Tod" gegenüber dem Opfer aufspielten.

Sie hätten den Mann als minderwertigen Menschen angesehen. Nach Auffassung der Strafrichter spielte das neonazistische Menschenbild der Angeklagten bei der Auswahl des Opfers eine Rolle. Der 55-Jährige hatte keine Arbeit und war obdachlos.

Gemeinsam hätten die Angeklagten mit dem Mann gezecht. Innerhalb dieser Dreiergruppe galt er den Angeklagten als "volltrunken, wehrlos und schlechtes Element" - und damit als "willkommenes Opfer" für die Aggressionen des Jüngeren der beiden Angeklagten, heißt es in der Urteilsbegründung.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten Höchststrafen verlangt, für den 22-Jährigen lebenslange Haft. Der Anwalt des 19-Jährigen plädierte indes auf Freispruch für seinen Mandanten. Der Verteidiger des 22-Jährigen sprach sich für eine Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung aus - nicht länger als drei Jahre. Im Prozess hatten beide Männer geschwiegen.

hut/dpa
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