Morddrohungen Saarlands Grünen-Landeschef Ulrich bekommt Personenschutz

Der saarländische Grünen-Chef Hubert Ulrich steht nach Morddrohungen unter Personenschutz. Er führt seine Partei in das erste Bündnis mit CDU und FDP auf Landesebene. Ulrich wollte die Drohungen laut einem Parteifreund eigentlich nicht öffentlich machen.

Grünen-Landeschef Hubert Ulrich: Personenschutz nach Morddrohungen
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Grünen-Landeschef Hubert Ulrich: Personenschutz nach Morddrohungen


Saarbrücken - Hubert Ulrich steht derzeit im Rampenlicht wie kein anderer Landespolitiker der Grünen. Der Landeschef strebt im Saarland die erste Jamaika-Koalition mit CDU und FDP an. Linken-Chef Oskar Lafontaine wirft Ulrich "Wahlbetrug" vor, die eigene Parteiführung hadert mit der Entscheidung gegen Rot-Rot-Grün.

Bislang gab es nur verbale Tiraden gegen Ulrich. Doch nun ist bekannt geworden, dass der Grüne sogar Mord- und Bombendrohungen bekommen hat. Ulrich erhält deswegen Personenschutz der Polizei. Der politische Geschäftsführer der Partei, Markus Tressel, bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht des Saarländischen Rundfunks (SR). "Es ist zurzeit etwas ruppig", sagte Tressel. Der Saarländer Ulrich hatte laut Tressels den Personenschutz zunächst abgelehnt und die Drohungen nicht öffentlich machen wollen.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat mittlerweile Ermittlungen wegen zahlreicher Drohanrufe bei der Geschäftsstelle der Saar-Grünen aufgenommen. Dabei handele es sich um "beleidigende und bedrohende" Anrufe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bernd Meiners, in Saarbrücken. Wie ernst zu nehmen diese Anrufe sind, konnte er aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Ein Sprecher der Grünen-Geschäftsstelle bestätigte zahlreiche Anrufe nach der Entscheidung für eine Jamaika-Koalition. Unter anderem sei mit einem Anschlag auf die Geschäftsstelle gedroht worden, sagte er. Dass es zu zahlreichen Reaktionen kommen würde, sei abzusehen gewesen. Dennoch seien die Grünen überrascht gewesen, dass sie "in dieser Intensität" erfolgt seien.

Während es unmittelbar nach dem Landesparteitag nicht nur zahlreiche Anrufe, sondern auch Hunderte von E-Mails gegeben habe, seien diese in den letzten Tagen deutlich weniger geworden. Neben zumeist ablehnenden Reaktionen habe es allerdings auch zahlreiche zustimmende Rückmeldungen zum Parteitagsbeschluss gegeben.

Anfang des Monats hatte bereits Christoph Matschie Morddrohungen erhalten. Weil der SPD-Landeschef von Thüringen einen Brief mit einer scharfen Patrone bekam, steht auch er unter Personenschutz. Matschie steht innerparteilich in der Kritik, weil er in Thüringen eine Koalition mit der CDU eingehen will - und kein Bündnis mit Linken und Grünen.

cte/dpa/ddp



insgesamt 2850 Beiträge
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Mathesar 11.10.2009
1.
Zitat von sysopIm Saarland zeichnet sich das bundesweit erste Dreierbündnis aus CDU, FDP und Grünen ab. Hat das Jamaika-Bündnis im deutschen Parteiensystem auch über die Landesgrenzen hinweg eine Zukunft?
So bröckelt die Mär der angeblich linken Mehrheit in Deutschland immer mehr. Deutschland ist die Mitte, nicht links, nicht rechts....
wkawollek 11.10.2009
2. Neuen Mut braucht das Land
Glückwunsch an die Grünen! Anstelle der bequemen Lösung an der Seite des Selbstdarstellers Lafontaine Aufbruch zu neuen Ufern. Nicht ohne Risiko, aber 'No Risk,No Fun'. Das sollten gerade ehemalige Häuserkämpfer wissen!
christiane006, 11.10.2009
3.
Zitat von sysopIm Saarland zeichnet sich das bundesweit erste Dreierbündnis aus CDU, FDP und Grünen ab. Hat das Jamaika-Bündnis im deutschen Parteiensystem auch über die Landesgrenzen hinweg eine Zukunft?
wenn´s hilft, dann können wir die Menschen ja wieder in Bürger und Nicht-Bürger eingeteilen. Denn jetzt wird wieder Politik für die Wohlsituierten gemacht und die Kleinen dürfen weiter als Faulenzer und Schmarotzer beschimpft werden.
Fritz Katzfuß 11.10.2009
4. Das hat mit Politik nichts zu tun,
das ist einfach nur Mauschelei auf dem Niveau von wer mit wem! Aber was sol´s, das Saarland ist nicht die Welt.
boam2001, 11.10.2009
5. Grüne = FDP !
Mit dieser Entscheidung ist einmal mehr deutlich geworden, daß die Grünen nicht mehr dem links-alternativen Lager zuzuordnen sind, sondern aus ihr eine zweite FDP geworden ist. Die Gier nach Macht steht über den Prinzipien und Grundsätzen, die die Grünen einst vertreten haben.
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