Mordfall Buback Ex-Terroristin Becker kooperierte zwei Jahre mit Verfassungsschutz

Sie bekam weniger als 5000 Mark und die Hoffnung auf Strafnachlass: Die Ex-Terroristin Verena Becker hat nach SPIEGEL-Informationen im Gefängnis mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet - sie offenbarte ihr Wissen über die RAF und den Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback.
Ex-Terroristin Becker am Oberlandesgericht in Stuttgart (Ende 1977): "Kein wirkliches Gefühl für Schuld"

Ex-Terroristin Becker am Oberlandesgericht in Stuttgart (Ende 1977): "Kein wirkliches Gefühl für Schuld"

Foto: A2411 Norbert Fˆrsterling/ dpa

Hamburg - Die in der vorvergangenen Woche wegen dringenden Tatverdachts im Mordfall Siegfried Buback verhaftete Berlinerin arbeitete von Herbst 1981 bis Ende 1983 mit Geheimdienstmitarbeitern des Kölner Verfassungsschutzes zusammen.

Becker erhielt dafür ein Honorar von weniger als 5000 Mark und bezahlte davon einen Sprachkursus. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, forderte sie als Gegenleistung für ihre Aussagen Hafterleichterungen und einen Strafnachlass. Die 1977 wegen sechsfachen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte Frau kam 1989 vorzeitig frei, nachdem der Bundespräsident sie begnadigt hatte.

Ausgeschlossen wird von den Behörden, dass Becker schon vor 1981 mit dem Verfassungsschutz kooperiert hat. "Wenn irgendein Nachrichtendienst Becker schon damals als Quelle gewonnen hätte, hätten wir das gewusst", zitiert das Magazin Winfried Ridder, den ehemaligen Chef-Auswerter in der Terrorismusabteilung des BfV.

Die Ermittlungsbehörden rechnen laut SPIEGEL damit, dass sich Becker im nächsten Jahr wegen des Verdachts, am Buback-Mord beteiligt zu sein, vor Gericht verantworten muss. Becker wies die neuen Vorwürfe bereits nach ihrer Festnahme zurück. Die Ermittler hatten in ihrer Wohnung einen Zettel sichergestellt, auf dem sie sich mit Datum vom 7. April 2009 handschriftlich fragte, "wie ich für Herrn Buback beten soll".

Damit sei, so Becker, Michael Buback, der Sohn des ermordeten Bundesanwalts, gemeint gewesen. Wenig später hatte Becker notiert: "Ich habe kein wirkliches Gefühl für Schuld." Sie erklärt den Satz damit, dass sie im Zusammenhang mit dem Buback-Mord stets öffentlich genannt werde. Eine weitere Notiz während einer Zugfahrt im April 2007, nach der sie über "einen Neuanfang" meditiere, werten die Bundesanwälte als belastendes Indiz.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.