Mordfall Walter Lübcke Bedrohter Ex-Bürgermeister fordert mehr Beistand für Politiker

Als Bürgermeister seiner Gemeinde bekam Markus Nierth Morddrohungen von Rechtsextremen. Nach dem Tod von Walter Lübcke wünscht sich der CDU-Politiker nun mehr Toleranz und Achtsamkeit.
Markus Nierth im März 2015 (Archivbild)

Markus Nierth im März 2015 (Archivbild)

Foto: DPA

Nach dem wahrscheinlich von einem Rechtsextremisten verübten Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) hat ein anderer von Drohungen betroffener Ex-Kommunalpolitiker für mehr Toleranz und Achtsamkeit geworben.

Er wünsche sich, "dass wir den Politikern vor Ort beistehen, dass wir nicht in das allgemeine Demokratiegemotze oder -gejammere einstimmen oder gar den Politiker-Frust, der überall angestimmt wird", sagte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Tröglitz in Sachsen-Anhalt, Markus Nierth, im Inforadio des RBB. Nierth war nach seinem Einsatz für Asylsuchende im Jahr 2015 von Rechtsextremisten bedroht worden und von seinem Amt zurückgetreten.

Der Mord an Lübcke erinnere ihn an die vielen hasserfüllten Briefe und Morddrohungen, die er selbst erhalten habe, sagte Nierth. Er und seine Familie müssten mittlerweile feststellen, "dass wir draußen sind, dass wir, ja, ein Stück weit unsere Heimat verloren haben".

Das liege vor allem daran, dass "die schweigende Mitte, selbst wenn sie uns wohlgesonnen ist, sich weggeduckt hat - bis hin zu den verantwortlichen Politikern der Umgebung, gerade auf der kommunalen Ebene".

Weitere Morddrohungen nach Tod von Lübcke

Nach dem Tod Lübckes haben weitere Politiker Morddrohungen erhalten, darunter die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Bürgermeister von Altena (Nordrhein-Westfalen), Andreas Hollstein. Sowohl Reker als auch Hollstein waren in den vergangenen Jahren zum Ziel von Attentätern geworden.

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Unter dringendem Tatverdacht sitzt ein 45-Jähriger in Untersuchungshaft, der schon in der Vergangenheit mehrfach straffällig geworden war.

Der "Zeit" zufolge soll er 1993 im Alter von 20 Jahren mit einer Rohrbombe eine Asylbewerberunterkunft im hessischen Hohenstein-Steckenroth angegriffen haben. Nach SPIEGEL-Informationen soll er auch im NSU-Untersuchungsausschuss ein Thema gewesen sein (Mehr zu dem Thema lesen Sie hier).

Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

bam/dpa
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