Mügeln Sachsens Ministerpräsident Milbradt verurteilt Übergriffe auf Ausländer

Nicht hinnehmbar: Darin sind sich Sachsens CDU-Ministerpräsident Milbradt und SPD-Innenexperte Edathy nach den Übergriffen auf Inder in Mügeln einig. Israels Botschafter Stein warnte erneut vor der Gefahr des wachsenden Rechtsradikalismus in Deutschland.


Mügeln/Berlin - Die möglicherweise ausländerfeindliche brutale Hetzjagd auf indische Besucher im sächsischen Mügeln hat Bestürzung und Sorge hervorgerufen. "So ein Gewaltexzess ist nicht hinnehmbar", sagte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) in der Kleinstadt zwischen Dresden und Leipzig. Die Hintergründe des Angriffs müssten nun rasch ermittelt werden. Noch sei nicht geklärt, ob es fremdenfeindliche Motive gab.

Etwa 50 zumeist junge Deutsche hatten nach Behördenangaben in der Nacht zum Sonntag acht Inder nach einer Rangelei im Festzelt eines Stadtfestes verfolgt. Insgesamt 14 Menschen wurden verletzt, unter ihnen alle acht Inder. Eine Polizeisprecherin bestätigte heute, dass es bei dem Angriff ausländerfeindliche Rufe gab. Ein fremdenfeindliches Motiv werde nicht ausgeschlossen. "Wir ermitteln aber in alle Richtungen", zunächst wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), warnte vor einer Radikalisierung der rechtsextremen Szene. "Die Übergriffe von Mügeln sind ein ganz entsetzliches Ereignis, überraschend kommt es aber nicht", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er könne "dunkelhäutigen Bürgern auch heute nicht mit gutem Gewissen raten, Volksfeste in ostdeutschen Kleinstädten zu besuchen".

Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, sieht die Gefahr eines wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland. Die Akzeptanz für Rechtsradikalismus in der deutschen Gesellschaft scheine in den vergangenen Jahren gewachsen zu sein, sagte Stein der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen". Letztendlich müsse sich die deutsche Gesellschaft die Frage stellen, "inwieweit sie bereit ist, anti-demokratisches Gedankengut zuzulassen oder etwas dagegen zu unternehmen".

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte ein konsequentes Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden. Zur besseren Bekämpfung rassistisch motivierter Gewalttaten sei "endlich auch ein politisches Signal des Gesetzgebers notwendig", erklärte der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, am Montag in Heidelberg.

Unterdessen stockte die Polizei in Sachsen die Ermittlungsgruppe zu dem Übergriff auf 15 Beamte auf, der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Die Ermittler suchten weitere Zeugen. "Wir müssen die genauen Abläufe des Geschehens klären und weitere Hinweise auf die Angreifer sammeln", sagte die Sprecherin.

Bislang gab es zwei Festnahmen. Die 21 und 23 Jahre alten deutschen Tatverdächtigen wurden aber wieder auf freiem Fuß gesetzt. Die Männer waren durch Zeugenaussagen belastet worden. Die Polizeidirektion Westsachsen hatte erst mehr als 20 Stunden nach dem Vorfall offiziell über die Ereignisse berichtet.

flo/dpa/AP



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