Urteil in München IS-Rückkehrerin erhält nach Tod eines jesidischen Mädchens 14 Jahre Haft
Oberlandesgericht in München: 14 Jahre Haft wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit
Foto: Frank Hoermann / Sven Simon / IMAGOSie ist Mitte 20, als sie sich der Terrormiliz »Islamischer Staat« anschließt und von Deutschland in den Irak auswandert. Mit ihrem damaligen Ehemann versklavt sie ein jesidisches Mädchen. Das Kind wird gefoltert und verdurstet in der prallen Mittagshitze. Nun, rund acht Jahre später, ist die islamistische Extremistin in München wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Das Oberlandesgericht (OLG) München lastete ihr am Dienstag unter anderem Versklavung mit Todesfolge an und warf ihr vor, aus Menschenverachtung gehandelt zu haben. Die heute 32-Jährige muss insgesamt 14 Jahre ins Gefängnis.
Die Frau aus Lohne in Niedersachsen hatte zuvor gestanden, im Sommer 2015 in ihrem Haus im Irak dabei zugesehen haben, wie ein von ihr und ihrem damaligen Ehemann versklavtes Mädchen starb. Der Mann hatte das Kind zuvor in praller Mittagssonne angekettet, um es zu bestrafen.
Der 9. Strafsenat fällte die Entscheidung im Wiederaufnahmeverfahren, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) ein früheres OLG-Urteil im Zuge einer Revision zu einer erneuten Entscheidung über das Strafmaß zurückverwiesen hatte. Anders als der 8. Strafsenat in der früheren Entscheidung vom Oktober 2021 ging das Gericht nun aber nicht mehr von einem minder schweren Fall aus.
Der Senat rügte unter anderem das Verhalten der Frau nach dem Tod des Kindes. So habe sie der Mutter eine Pistole an den Kopf gehalten, um sie dazu zu zwingen, mit dem Weinen aufzuhören. Als strafschärfend wertete der Senat auch die schwerwiegenden psychischen Folgen, unter denen die Mutter des Mädchens bis heute leidet.
Erst vergangenen Monat wurde in einem anderen Fall eine mittlerweile 34-jährige IS-Rückkehrerin in Hamburg zu fünf Jahren Haft verurteilt. Auch sie soll beim IS eine Jesidin als Sklavin gehalten und schwer misshandelt haben.