München Zentralrat kritisiert Faschingsumzug am Holocaust-Gedenktag

Der Münchner Faschingsumzug soll ein buntes Fest mit tausend Teilnehmern und 20.000 Zuschauern werden, aber der Termin stößt beim Zentralrat der Juden auf scharfe Kritik. Der Umzug soll kommenden Sonntag stattfinden - am Holocaust-Gedenktag.


Berlin/München - Der Zentralrat der Juden ist empört: Dass der Münchner Faschingsumzug ausgerechnet am kommenden Sonntag stattfinde, sei "geschmacklos und führt den Holocaust-Gedenktag ad absurdum", erklärte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, heute in Berlin. Die politisch Verantwortlichen sowie Behörden hätten gedankenlos ihr Einverständnis zu dem Spektakel signalisiert. Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, hatte den Umzug zuvor als Entehrung der Opfer bezeichnet.

Die Münchner Stadtverwaltung erwartet zum Faschingsumzug rund tausend Teilnehmer mit vielen bunt geschmückten Wagen sowie etwa 20.000 Zuschauer. Angesagt haben sich auch Gruppen aus Bolivien, der Schweiz und Slowenien.

Der Gedenktag am 27. Januar erinnert an die mehr als sechs Millionen Juden und die vielen anderen Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit worden. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag in Deutschland "für die Opfer des Nationalsozialismus". 2005 proklamierten auch die Vereinten Nationen den Tag zum offiziellen Gedenktag.

hen/AFP



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