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17. August 2008, 13:34 Uhr

Müntefering-Comeback

Beck will K-Frage noch in diesem Jahr klären

Die Rückkehr von Franz Müntefering lässt SPD-Mitglieder wieder auf eine bessere Zukunft für die Sozialdemokraten hoffen. Der unter Druck stehende Parteichef Kurt Beck kündigte an, noch im Jahr 2008 werde entschieden, wer als Kanzlerkandidat gegen Angela Merkel antritt.

Berlin - Wer der Kanzlerkandidat der SPD sein wird, ließ Kurt Beck offen. Aber "mit hoher Wahrscheinlichkeit" werde dieses Jahr darüber eine Entscheidung fallen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident schloss nicht aus, selbst für den nächsten Bundestag zu kandidieren. "Die Sache wird entschieden, wenn es an der Zeit ist", sagte Beck der "Bild am Sonntag".

Müntefering und Beck: Was bringt das Comeback des Vizekanzlers der SPD?
DDP

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Der SPD-Chef hatte zuvor Berichte dementiert, er werde auf dem SPD-Landesparteitag von Rheinland-Pfalz am 13. September seine Bundestagskandidatur verkünden.

Becks politisches Schicksal könnte auch durch die wahrscheinliche Rückkehr von Franz Müntefering nach Berlin beeinflusst werden. Müntefering werde im September seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter wieder in vollem Umfang aufnehmen, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf die SPD-Bundestagsfraktion.

Müntefering sei zunehmend unzufrieden mit der Entwicklung der SPD, hieß es.

Zahlreiche SPD-Politiker begrüßten die mögliche Rückkehr Münteferings auf die politische Bühne. Denn mit seinem Comeback verbinde sich in Teilen der Sozialdemokratie die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen des 68-Jährigen bei der Bewältigung der derzeitigen Führungskrise der Partei. Erst kürzlich hatte SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel erklärt, Müntefering fehle der SPD.

Ende Juli war Münteferings Frau Ankepetra nach einem langen Krebsleiden gestorben. Der SPD-Politiker hatte 2007 mit Ausnahme des Bundestagsmandats alle politischen Ämter aufgegeben, um seine todkranke Frau zu pflegen.

SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte in der "BZ am Sonntag", gerade "in diesen für die SPD schwierigen Zeiten können wir einen erfahrenen Fahrensmann wie ihn bestens gebrauchen". Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, hob hervor, Müntefering werde "als Urgestein von uns allen geschätzt, er hat viel mit der Seele der Partei zu tun". Zwischen Parteichef Kurt Beck, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck und ihm "wird sich etwas finden, das uns weiterbringt".

Er ist für die Partei eine Integrationsfigur und für viele Wähler einfach unverzichtbar." SPD-Innenexperte Sebastian Edathy hofft, Müntefering könne "einen Beitrag dazu leisten, das Stimmungstief der SPD zu überwinden".

Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner warnte derweil seine Partei vor einer Diskussion um neue Spitzenposten für Müntefering. "Der Respekt vor Franz Münteferings Lebensleistung verbietet es, ihn aus taktischen Erwägungen gegen andere Mitglieder der Parteiführung in Position zu bringen", sagte er in der "Bild am Sonntag". Wer Müntefering jetzt aus der dritten und vierten Reihe für neue Spitzenposten ins Gespräch bringe, schade sowohl Müntefering als auch der SPD. Stegner fügte hinzu: "Es wäre zu begrüßen, wenn sich Franz Müntefering wieder stärker in der SPD engagieren würde. Ich weiß aber nicht, ob er das nach dem schweren Schicksalsschlag, den er zu verkraften hat, überhaupt will."

Nach SPIEGEL-Informationen wird Müntefering von den SPD-Linken als Chef der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung ins Gespräch gebracht, auch, um einem Anspruch Münteferings auf wichtige Parteiämter zuvorzukommen. Der SPD-Linke Björn Böhning dementierte im "Tagesspiegel am Sonntag", "ein solcher Plan existiert nicht".

als/ddp/AFP

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