Vor Debatte im Bundestag Franz Müntefering spricht sich gegen Sterbehilfe aus

Schon bald will der Bundestag die Regeln für Sterbehilfe in Deutschland neu festlegen. Nun befeuert Franz Müntefering die Debatte. Im ZDF sprach sich der ehemalige SPD-Minister klar gegen Tötung auf Verlangen aus. Auch Beihilfe zum Suizid sieht er höchst kritisch.
Politiker Müntefering (im August 2013): Debatte "hochgefährlich"

Politiker Müntefering (im August 2013): Debatte "hochgefährlich"

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Berlin - Schon lange wird in Deutschland über eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe debattiert, bald befasst sich auch der Bundestag mit dem brisanten Thema. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering (SPD) hat sich nun in der Diskussion klar positioniert - und gegen die aktive Sterbehilfe plädiert. "Mein Tod gehört mir - da mache ich doch ein Fragezeichen dahinter", sagte er am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".

Die Diskussion um eine aktive Sterbehilfe bewertete der ehemalige Arbeitsminister als hochgefährlich. Mit der Patientenverfügung habe man schon heute erheblichen Einfluss darauf, in welchem Maße um das eigene Leben gekämpft werde. Auch Palliativmedizin und Hospizdienste böten Hilfe: "Diesen Weg sollten wir gehen."

Müntefering hatte sich 2007 eine Zeitlang aus der Politik zurückgezogen, um seiner krebskranken Frau beizustehen, die 2008 starb. "Sterben gehört zum Leben mit dazu - es ist verdammt schwer, wenn man es erlebt hat, weiß man es." Aber es sei sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen von großer Bedeutung, diesen Weg miteinander zu gehen.

Über ein Verbot gewerbsmäßiger Sterbehilfe in Deutschland wird voraussichtlich im Bundestag nach großer Debatte ohne Fraktionszwang entschieden. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte am Mittwoch im ZDF gesagt: "Ein großes Thema, das jetzt kommen wird, ist das Thema Sterbehilfe, Sterbebegleitung, das wir als interfraktionellen Antrag einbringen wollen - alle Fraktionen zusammen." Eine Sprecherin der SPD-Fraktion sagte, es sei gut, die Abstimmung bei dieser Gewissensentscheidung freizugegeben.

Verschiedene Regelungen in den EU-Ländern

Aktive Sterbehilfe - also Tötung auf Verlangen - ist in Deutschland bereits verboten, Beihilfe zum Suizid dagegen nicht. Wer einem Todkranken beispielsweise Gift nur besorgt, macht sich also nicht strafbar. Müntefering bewertet auch diese kritisch: "Wir alle sind mitverantwortlich dafür, auch was der andere tut."

In den Fraktionen wird eine Bandbreite von Ansichten darüber erwartet, wie stark ein ausgeweitetes Verbot ausfallen oder ob es bei der gegenwärtigen Rechtslage bleiben soll. Auch denkbar sind Vorstöße hin zu einer Liberalisierung. Innerhalb der EU ist Sterbehilfe in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg erlaubt.

jok/dpa
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