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18. Dezember 2015, 17:23 Uhr

Reaktion auf rassistische Rede

AfD-Vorstand hadert mit Höcke

Schmeißt die AfD Rechtsausleger Höcke raus? Der Bundesvorstand bittet den Thüringer Politiker erst mal selbst zu prüfen, ob er noch zur Partei passt.

Der Bundesvorstand der AfD hat dem umstrittenen Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke indirekt den Austritt aus der Partei nahegelegt. Nach einer mehrstündigen Debatte sagte AfD-Sprecher Christian Lüth: "Der Bundesvorstand fordert Björn Höcke nachdrücklich auf, auch selbst zu prüfen, inwieweit seine Positionen sich noch in Übereinstimmung mit denen der AfD befinden."

Der rechtsnationale AfD-Politiker war von Mitgliedern des Parteivorstandes am vergangenen Wochenende heftig kritisiert worden. Anlass waren Höckes Äußerungen über die "Reproduktionsstrategie" von Afrikanern. "Diese Sichtweisen von Björn Höcke werden vom Bundesvorstand einhellig abgelehnt", sagte Lüth.

Höckes Äußerungen zum "biologisch-demographischen Verhalten von Menschen" stellten "ausschließlich seine persönliche Meinung" dar, sagte der Sprecher. Höcke hatte von einem "lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp" und einem "Bevölkerungsüberschuss" auf dem Kontinent gesprochen. Außerdem stießen sich Parteikollegen Höckes daran, dass dieser der rechtsextremen französischen Partei Front National zu ihrem guten Abschneiden in der erste Runde der Regionalwahlen gratuliert hatte.

Höcke, der Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag ist, hätte zu der Vorstandssitzung in Berlin eigentlich kommen sollen. Er entschuldigte sich jedoch nach Angaben einer Sprecherin mit Hinweis auf die Haushaltsdebatte im Erfurter Landtag. Zu seinen Unterstützern im Bundesvorstand gehört André Poggenburg, der AfD-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt.

AfD-Chefin Frauke Petry hatte laut "Welt" zuvor telefonisch um Rückhalt bei den Landesvorsitzenden gebeten. Demnach forderte sie "harte Maßnahmen gegen Höcke". Die Vorstandssitzung dauerte am späten Nachmittag noch an.

apr/dpa/AFP

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