Nach Anschlägen auf Bahn Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Brandstifter

Die Serie von Brandsatzfunden an Bahnstrecken in Berlin und Brandenburg reißt nicht ab. Jetzt hat sich das Bundeskriminalamt eingeschaltet, es hat die Ermittlungen übernommen. In der Hauptstadt war zuvor erstmals ein Brandsatz an einer ICE-Trasse explodiert.
Nach Anschlägen auf Bahn: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Brandstifter

Nach Anschlägen auf Bahn: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Brandstifter

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP

Berlin - Seit Wochenanfang attackieren Unbekannte die Bahn mit Brandsätzen. Für die Bundesanwaltschaft besteht der Verdacht der "verfassungsfeindlichen Sabotage", wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte. Die Behörde hat das Bundeskriminalamt mit den weiteren Ermittlungen zu den Brandanschlägen auf die Bahn in Berlin und Brandenburg beauftragt.

Am Mittwochvormittag waren an einer Berliner Bahnstrecke wieder mit Benzin gefüllte Flaschen entdeckt worden - eine davon ist offenbar explodiert. Nach Angaben eines Bahn-Sprechers war er an der ICE-Trasse Berlin-Hamburg im Berliner Ortsteil Staaken deponiert worden. Verletzt wurde niemand. Die Bahnstrecke in Richtung Hannover und Wolfsburg wurde gesperrt. Es kam den dritten Tag in Folge zu starken Behinderungen im Bahnverkehr.

Der Brandsatz ist vermutlich schon vor einiger Zeit explodiert, die Überreste wurden jedoch erst am Mittwoch gefunden. Ein Polizeisprecher sagte: "Es gab einen Brandsatz, der in irgendeiner Weise irgendwie gezündet hat." Das könnte aber auch schon am Montag oder Dienstag der Fall gewesen sein.

Am Bahnhof Staaken lag auch ein weiterer Brandsatz, der nicht gezündet hat. Die Polizei schloss am Mittwoch nicht aus, dass es noch andere, bisher nicht entdeckte, mit Benzin gefüllte Flaschen gibt. Ein weiterer Brandsatz wurde von Bundespolizisten am S-Bahn-Ring zwischen den Bahnhöfen Schöneberg und Südkreuz gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass alle Brandsätze gleichzeitig deponiert wurden und seitdem nach und nach entdeckt werden. Zudem gehen die Beamten mittlerweile auch von Nachahmungstätern aus.

Ramsauer verurteilt "terroristische Anschläge"

Die Bahn teilte mit, der Verkehr sei wegen der Polizeieinsätze an beiden Fundorten unterbrochen. Fern- und Regionalzüge nach Westen und die Berliner S-Bahn im Süden werden umgeleitet. Der Bahnverkehr auf der Strecke Berlin-Hamburg ist seit einem ersten Brandanschlag vom Montag noch immer stark beeinträchtigt. Zu dem Anschlag bekannte sich eine linke Gruppierung. Auch am Berliner Hauptbahnhof wurden Brandsätze entdeckt. In einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben hieß es, mit dem Brandanschlag werde gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan protestiert.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ( CSU) hat die versuchten Brandstiftungen scharf verurteilt. Dies seien "verbrecherische terroristische Anschläge", die eine neue Dimension erreichten, sagte Ramsauer. Sie bedrohten Verkehrseinrichtungen, wo viele Menschen getroffen werden könnten. Die Taten bereiteten ihm "große Sorge", sagte der Minister. Er lobte zugleich die Sicherheitsbehörden, weil sie die meisten Anschläge vereiteln konnten.

Innenministerium sieht keinen "Linksterrorismus"

Das Bundesinnenministerium sieht nach den versuchten Brandanschlägen noch keinen neuen Linksterrorismus in Deutschland. Es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass aus den linksextremistischen Strukturen bereits linksterroristische Vereinigungen im Sinne des Strafgesetzbuches geworden seien, sagte ein Ministeriumssprecher.

Damit reagierte das Ministerium auf Äußerungen von Politikern, die vor einem neuen Linksterrorismus gewarnt hatten. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann ( CDU) hatte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt: "Der Linksextremismus eskaliert zum Linksterrorismus." Die jüngsten Anschlagsversuche auf Bahnanlagen seien keine Zufallstaten mehr. "Das ist eine weitere Verschärfung im Rahmen einer ganzen Kette linksextremistischer Anschläge." Schünemann erinnerte an die in den 70er Jahren aktiven Revolutionären Zellen: "Der Weg von Brandanschlägen zu gezielten Mordanschlägen ist nicht weit."

Das wiesen Vertreter von Grünen und Linken zurück. Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck nannte die Täter "einen losen, wirren Haufen von Chaoten". Er sehe "weder Hinweise auf eine verfestigte Organisationsstruktur noch auf einen ideologischen Unterbau".

heb/fab/dpa/dapd
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