Nach Anschlag Spiegel kritisiert Biedenkopf

Nach dem Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge erhebt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, Vorwürfe gegen Sachsens Ministerpräsidenten. Biedenkopf habe den Anschlag bei der Einheitsfeier ignoriert.


Paul Spiegel
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Berlin - "Vom sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf habe ich bei der Feier zur deutschen Einheit kein Wort des Bedauerns gehört. Das begreife ich nicht", sagte Spiegel der "Berliner Morgenpost".

Die Anschläge der vergangenen Tage würden der deutschen Demokratie insgesamt gelten, sagte Spiegel: "Wenn man sich nicht dagegen wehrt, dann kommt unsere Demokratie unter die Räder." Dies sei ein "direkter Anschlag auf die deutsche Demokratie. Unsere Arbeit ist jedenfalls um Jahre zurückgeworfen worden." Das gelte nicht nur für die Anstrengungen der Juden, sondern aller Menschen guten Willens, die für Freiheit und Demokratie einträten.

Spiegel hofft, dass "endlich ein Aufschrei durch Deutschland" gehe. Die Menschen müssten begreifen, dass es hier nicht nur um Juden gehe, "sondern um unser aller Freiheit und Demokratie. Denn Menschlichkeit, Freiheit und Demokratie sind unteilbar. Das muss endlich verstanden werden." Staat und Behörden würden aber bislang hilflos reagieren.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement wollen heute mit Spiegel und dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, Esra Cohn, über die Folgen des Attentats sprechen.



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