Nach Hetz-Tweets zu Münster Scharfe Kritik an Beatrix von Storch

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat auf Twitter einen angeblichen Zusammenhang zwischen der Amokfahrt in Münster und der deutschen Flüchtlingspolitik hergestellt - und löst damit große Empörung aus.
Beatrix von Storch

Beatrix von Storch

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP

Mit neuen fremdenfeindlichen Äußerungen hat die AfD-Politikerin Beatrix von Storch nach der Amokfahrt eines 48-jährigen Deutschen am Samstag in Münster scharfe Kritik auf sich gezogen. SPD-Vizechef Ralf Stegner bezeichnete die auf Twitter verbreiteten Einlassungen dort als "ekelhaft" und "widerlich". Storch hatte unmittelbar nach den ersten Meldungen über die Amokfahrt den Satz "Wir schaffen das" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Flüchtlingszuzug zitiert und damit nahegelegt, ein Geflüchteter sei für die Tat verantwortlich.

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Bei der Amokfahrt waren zwei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Der Täter, ein gebürtiger Deutscher, erschoss sich anschließend selbst. Nach SPIEGEL-Informationen war der 48-Jährige den Behörden nicht als Extremist bekannt. Allerdings soll er psychische Probleme gehabt und bereits einen Suizidversuch unternommen haben. "Es spricht nichts dafür, dass es irgendeinen islamistischen Hintergrund gibt", erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul.

"Das tragische Unglück von Münster ruft Leute auf den Plan, die das politisch instrumentalisieren und die Angehörigen der Opfer missbrauchen wollen - das ist schändlich", twitterte Stegner. "Völlig unabhängig von Motiven oder Tätern" seien "Tragödien wie in Münster furchtbar". "Versuche, das politisch auszuschlachten, sind widerlich", erklärte der Sozialdemokrat.

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Lob für Besonnenheit

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner nach der Tat. Es würde sich wünschen, dass "diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedensstadt" auch diejenigen erreicht hätte, die "ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben." Für die Opfer sei die Religion der Täter egal, sie hätten einen Menschen verloren. "Und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben."

Auch der Parlamentsgeschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, kritisierte Storch. "Wer nicht einfach mitfühlen und trauern kann, bei dem stimmt der Kompass der menschlichen Anständigkeit nicht", sagte Korte. "Wer solch eine Tragödie politisch instrumentalisiert, ist politisch und moralisch kaputt."

Storch distanzierte sich am Sonntag nicht von ihrer falschen Kontextualisierung, sondern warf im Gegenzug ihren Kritikern vor, mit dem Hinweis auf ihre Fehldeutung islamistischen Terror zu verharmlosen. "Ein Nachahmer islamischen Terrors schlägt zu - und die Verharmlosungs- und Islam-ist-Vielfaltsapologeten jubilieren." Dieser Jubel sei "der Beweis, dass alle die geleugnete Gefahr genau sehen - der Islam wird wieder zuschlagen". Die Frage sei "nicht ob, sondern wann".

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Bei Twitter sorgte die Vizechefin der AfD-Fraktion im Bundestag mit ihren Äußerungen für breite Kritik und Empörung. "Es gibt Menschen, die sind nicht integrierbar - und Beatrix von Storch gehört mit Sicherheit dazu", schrieb etwa der Kabarettist Dieter Nuhr. Ein anderer Nutzer fragte ironisch, ob Leichenflederrei als Nebenjob gelte, wenn man Bundestagsabgeordnete sei.

hpi/AFP
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